Fahrbericht: Opel Ampera-e – Neuer Reichweitenkönig

Opel Schweiz hat diese Woche in Luzern zu einer ersten Ausfahrt mit dem neuen Reichweitenkönig Ampera-E eingeladen und ich war sehr gespannt darauf, was der neue Opel drauf hat. Die Leistungswerte sind schon auf dem Papier vielversprechend und die ersten Ankündigungen hiessen, es gäbe 520 Kilometer NEFZ Reichweite, das war fast nicht zu glauben. Nach der ersten Ausfahrt glaube ich die Reichweite nun schon, ich denke für den vorsichtigen und kundigen E-Auto-Fahrer liegen die 500 Kilometer Reichweite drin.
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Treffpunkt für die erste Ausfahrt mit dem Ampera-E war das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. Dort waren die ersten vier Ampera aufgereiht und die Erwartungshaltung von Beginn an geschürt. Bei der Präsentation ging der Kommunikationsleiter von Opel Suisse, Christoph Bleile, noch einmal auf die Leistungswerte des Opel Ampera-e ein.
Das Auto hat eine Leistung von 204 PS bzw. 150 kW und damit kommt man recht schnell vorwärts, zumal das Drehmoment beim Elektromotor bekanntlich vom ersten Meter an vorhanden ist. Die Batterien an diesem ersten vollkommen neu konzipierten Elektroauto von General Motors, der in den USA auch als Chevrolet Bolt verkauft wird, sind im Unterboden verstaut und die Speicherleistung wird mit 60 KwH angegeben.
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Vergleicht man den Bolt mit den Mitbewerbern, darf man die Frage aufwerfen, wie das gehen soll. Wieso kommt ein i3 von BMW mit 94 Ah ( nicht 94 KWh – gemäss Hinweis von Sascha Pallenberg 😉 )grossem Akku gerade mal 300 km weit und der Ampera-e mit 60 KWh doppelt so weit? Die Frage klärt sich schnell wenn man unterwegs ist, denn die Technik ist eine vollkommen andere. Der BMW wurde vor 5 Jahren entwickelt und kürzlich mit grösserer Batterie ausgestattet um mehr Reichweite zu bekommen, die Technik blieb die gleiche und ist inzwischen leicht veraltet. Der Ampera-e wurde komplett neu entwickelt und mit dem Ziel konzipiert, die 500 km Reichweite erzielbar zu machen und man kann festhalten, dass dies gut gelungen ist.
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380 Kilometer würde Opel jedem Fahrer zugestehen und selbst der eine oder andere Ampelstart liegt dann drin. 380 Kilometer gibt Opel als WLTP-Reichweite an, das ist eine Reichweite, die man den meisten Fahrerinnen und Fahrern zutrauen darf. Denn wie gross die Unterschiede sind, konnte man an der ersten Ausfahrt bestens sehen. Da gab es die ‚Softies‘ unter den Testjournalisten, die hatten das Ziel, die Reichweite zu erhalten. Deren Reichweite zeigte nach 120 Kilometer Fahrt nur einen Verbrauch von 40 Kilometer an. Es gab die ‚Normalos‘, bei denen standen nach 120 Kilometer Fahrt 100 Kilometer weniger Reichweite auf dem Display. Und es gab das Team von uns, wo der eine Journalist eher etwas mehr Gas gab und mehr Verbrauch resultierte und der andere Journalist sehr sparsam fuhr und dann auch deutlich weniger Kilowatt verbraucht wurden. Es resultierte am Ende nach einer Fahrt von 120 Kilometer ein KM-Verbrauch von 60 km. Das bedeutet, wir starteten mit 347 km Reichweite in Luzern am Verkehrshaus und fuhren über Küsnacht, Walchwil und Cham nach Luzern zurück und hatten nach einer Fahrt von 135.9 Kilometern immer noch eine Restreichweite von 287 Kilometern.
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Kürzlich durfte ich den neuen VW E-Golf fahren und im letzten Herbst den BMW i3. Alle drei Elektroautos haben mich erneut überzeugt, Elektrisch fahren ist die Zukunft. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, einen Diesel oder einen reinen Benziner zu kaufen. Aktuell fahre ich bekanntlich noch einen Plug-in-Hybrid von Mitsubishi und bin recht zufrieden mit dem Outlander, in Bälde möchte ich aber auf einen reinen Stromer umsatteln.
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Der Opel Ampera-e ist in mit faszinierender Technologie ausgestattet. Unter anderem kann der neue Opel mit einem einzigen Pedal gefahren werden. Neben dem Modus Drive „D“ hat der Opel einen Modus „L“ und in diesem Modus wird jedes anheben des Gaspedals in einen Verzögerungsvorgang umgewandelt. Im L-Modus wird das Schleppmoment so erhöht, dass eigentlich nicht mehr gebremst werden muss. Gerade im dichten Stadtverkehr macht das durchaus Sinn, erfordert aber sehr viel Übung. Ebenso interessant ist die Verzögerung mit dem Lenkrad-Schalter. Es hat links am Lenker einen Hebel, den man an das Lenkrad ziehen kann und der Schleppmodus steigt von 0 bis auf 40 Kw an. Damit steigert man dann die Reichweite enorm und kann das Auto bis zum Stillstand runterbremsen, ohne das Bremspedal zu drücken. Das Fahren nur mit dem Strompedal und der Verzögerung durch die Energierückgewinnung ist schnell erlernt und damit steigert sich die Reichweite des Ampera-e in hohe Ebenen.
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Bei vorausschauender Fahrweise sind die 380 Kilometer glaubwürdig. Im Stadtverkehr mit heftigem Bremsen verliert man an Energie aber wenn man viel rollen kann, kann man dann auch sehr sparsam fahren.

Das Nachladen war am ersten Testdrive von Opel kein grosses Thema. Nachladen kann man den Opel überall, an der normalen Steckdose mit weniger als 4 kW Ladeleistung dauert das einfach seine Zeit. An einer Schnellladestation (bis 50 kW) holt sich der Opel 150 Kilometer Reichweite in 30 Minuten. Nach drei Stunden wäre er somit voll, wenn er zuvor fast leer gefahren wurde.
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In Sachen Connectivity ist der neue Opel auf der Höhe der Zeit. Opel hat den Service OnStar an Bord, damit kommt man schon überall hin. Zudem will Opel die App myOpel für Elektroauto-BesitzerInnen noch ausbauen und Unterstützung für Ladestationen integrieren. Nicht geplant ist der Aufbau eines eigenen Ladestationen-Netzes, so weit geht Opel nicht. Noch nicht gesichert ist, wie viele Autos in den Handel gelangen. Opel Schweiz wollte da keine Zahl festhalten, weil es immer wieder Änderungen gibt und die Zahlen zuletzt gestiegen sind. In Deutschland gibt es Gerüchte, es gäbe gerade mal eine Zahl im zweistelligen Bereich, rund 99 Autos bis Ende 2017. Da wäre dramatisch tief und man kann nur hoffen, dass die Zahl ein Gerücht bleibt. Da es aber sowieso einmal hiess, die Lancierung sei dann erst im späten Herbst und nun wird der August als Starttermin genannt, dürfte die Zahl nicht derart tief sein. Denn dann müsste man die Lancierung nicht vorziehen.
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In den Handel kommt der Ampera-E über rund 20 Opel-Händler, die in eine spezielle Schulung müssen, um das Auto verkaufen zu dürfen. Zudem müssen sich die Händler verpflichten, genügend grosse Mengen abzunehmen und auch eine Ladestation zu installieren. Da Opel derzeit die Verträge mit den Händlern erst noch fertig unterzeichnet, will man zu diesem Händlerkreis noch keine Namen nennen.

Mein Fazit:
Wer mit einem Elektroauto liebäugelt, hat nun mit dem Opel Ampera-e bald ein sehr gutes Angebot auf dem Markt.Die Reichweitenangst kann man getrost beiseite schieben, das Thema ist erledigt. Soviel Reichweite ist aber nicht nur gut, denn wenn man genug Reichweite hat, ist man versucht volle Power zu geben. Auf der einen Seite ist das natürlich etwas unökologisch. Der Preis liegt bei 41’900.- Franken, Opel sagt aber noch nicht, was zu diesem Preis im Angebot ist. Der Preis ist im Markt recht gut Positioniert wenn man das Angebot mit den Mitbewerbern vergleicht. Ganz billig ist das nicht aber man fährt elektrisch deutlich günstiger als mit Benzin oder Diesel. Offen ist noch die Frage ob Opel ein Leasing- oder Full-Package-Angebot lanciert, mit dem das Auto ab 20. August auf den Markt kommen wird.
Insgesamt erhält der Opel Ampera-e von mir eine Kaufempfehlung, Preis-/Leistung und das technische Angebot und der verfügbare Raum stimmen, absolut! Beim Design dürfte der Opel etwas weniger langweilig sein aber das ist ebenso extra zeitlos gehalten wie Toyota beim Prius auf Spezial-Design setzt, was auch nicht jedem gefällt.

Opel Apera-e
• Motor: Elektroantrieb, vorne quer
• Leistung: 150 kW (204 PS)
• Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
• Beschleunigung 0-100 km/h: 7,2 s
• max. Drehmoment: 350 Nm
• Batterie: 60 kWh Lithium-Ionen
• L/B/H: 4,17 / 1,77 / 1,60 Meter
• Kofferraum: 381 Liter
• Leergewicht: 1616 kg
• Verbrauch: 11,5 kWh/100 km
• Garantie Batterie: 8 Jahre/160.000 km.

Die Fotos vom Testdrive:
https://plus.google.com/photos/108678166096574454776/albums/6417120378956375041


2 Kommentare

  1. Ein i3 mit einem 94kw/h Akku? Wo soll es denn denn geben? Ich bestelle umgehend 2 und verkaufe die jeweils fuer das doppelte des Kaufpreises 🙂

  2. Gerade bei neuen E-Autos will man wissen, wie es von innen aussieht. Wie sieht das Display aus, wie wird die Heizung bedient, wie lässt sich das Infotainment bedienen? Ist es Tesla-like? Fragen über Fragen! Denn sind wir mal ehrlich von aussen, machen die wenigsten E-Autos eine gute Figur (Ausnahme Tesla und einige E-Sportwagen).

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  1. Opel kann den Ampera-e nicht ausreichend liefern – autonews

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