Fahrbericht: eRod 1 – urchig, unbequem, gigantisch

Es gibt Superlativen, da reichen Wörter kaum. Der eRod von Kyburz ist solch ein Fahrkonzept, dem man weder Auto noch Töff sagen kann und das mit Worten kaum zu fassen ist. Der eRod ist vor allem ein geiles Gefährt für Elektroenthusiasten, die sich mit einem einfachen Bausatz zufrieden geben und gerne an der frischen Luft sind. Zumindest in der getesteten Version eRod 1 gibt es Frischluft pur, der Sitz und das Lenkrad sind die einzigen Punkte, die den Körper stützen. Und der Sitz ist extra hoch genug, damit der Kopf nach hinten Halt hat.
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Das Auto ist cool, keine Frage. Der Coolness-Faktor ist aber derart hoch, dass es schon wieder unangenehm ist. Der eRod 1 als urchiger Urahn ist kaum zu unterbieten was die Einfachheit betrifft, inzwischen baut Kyburz da deutlich mehr Komfort ein und bietet auch ein Chassis, das mit Dach und einfachen Flügeltüren erhältlich ist. Damit ist man dann nicht so dem Sturm und Wasser ausgesetzt, wie im eRod 1. Bei meinem Test war es schönes Wetter aber nicht allzuwarm, dicker Pulli und Windjacke war angesagt. Bei den Schuhen setzte ich auf Stoffslipper, denn mit denen fahre ich am Liebsten mit den Testautos. Da habe ich viel Gefühl im Fuss und kann dosiert Gas geben und bremsen. Leider ist der Kyburd eRod 1 derart weit offen, dass auch die Füsse kalt bekommen, mit Slippern fahren war deshalb eine weniger gute Idee.

KyburzERod1_025Zum Fahren ist der eRod sehr einfach, wie viele Elektroautos. Einfach Zündung ein, Kippschalter umlegen und Gas geben und schon rollt das Auto los. Wer dann das Gas nicht dosiert, kommt schnell in die hohe Geschwindigkeit, der eRod hat Power pur. Das passt auch zum Konzept, da braucht es nur Power und Bremsen, nicht viel mehr. Was es nicht braucht ist ein Hut, meine Dächlikappe flog schnell davon und blieb dann mitten auf der Strasse liegen. Meine Brille blieb auf der Nase aber auch nur weil ich mich bemühte nur in Fahrtrichtung zu schauen. Hätte ich mal nach hinten geschaut, wäre die Brille wohl davon gesegelt. Es lohnt sich also, zur Fahrt unter 25 Grad Celsius einen Schal, eine dichte Jacke und gute Schuhe sowie eine Skibrille mitzunehmen, denn erst dann ist es richtig cool. Und wenn es regnet lohnt es sich, genügend Ersatzkleider mitzunehmen und einen Regenkombi zu tragen, denn wie auf dem Töff oder Bike wird man bis auf die Poren nass.

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Die Sitze sind recht bequem, da kann man ganz entspannt fahren, solange man nicht auf Schnellstrassen und Autobahnen geht. Dort ist das dann nicht mehr so entspannt. Die Vierpunkt-Gurte und die Schalensitze geben einen guten Halt, da kann man das Feeling sehr gut aufnehmen. Fährt man im eRod 1 ausserhalb von Ortschaften ist es dann so urchig, das es schon unangenehm werden kann. Man fühlt richtiggehend, dass dem eRod 1 der Windkanal fehlt und der Anpressdruck abnimmt bei hohen Geschwindigkeiten. Da wünscht man sich vorne und hinten jeweils ein paar Spoilerlippen, das würde das Konzept stabilisieren.

Aber an sich ist die Fahrstabilität hoch genug und vor allem bei der Reifenwahl zu beachten, wer dort auf Billiggummi setzt wird das ebenso spüren wie die Wahl eines Top-Reifens.

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Kyburz baut den eRod nur auf Bestellung, deshalb lohnt es sich, das Unternehmen näher anzusehen. Entweder auf der WAVE 2017 oder direkt vor Ort in Freienstein. Dort gibt es auch immer genügend Autos anzusehen. Neu hat Kyburz Vorführ- und Renneinsätze auf einer Rennpiste im grenznahen Ausland organisiert, dort kann man an Testtagen die eRods richtiggehen austesten.

Antrieb: E-Motor, 45 kW/61 PS
Getriebe: 1-Gang-Automat, Heckantrieb
Fahrleistungen: 0-80 km/h 5,7 s, Spitze 120 km/h,
Reichweite: 100-130 km
Gewicht: 600 kg
Preis: Bausatz ab 27‘000.- CHF, Komplettfahrzeug ab 36’000 CHF

www.erod.ch


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