Fahrbericht: Tesla Model X 90D im Test

Das Model X von Tesla stand schon seit geraumer Zeit auf meiner Test-Wunschliste. Im Winterhalbjahr hatte Tesla damit aber nicht nur Lieferschwierigkeiten, man konnte schlicht nicht alle Kundenwünsche erfüllen und musste sogar die Medien vertrösten. Wie so vieles macht Tesla auch bei den Medien alles anders, Vorteile als Newsjournalist konnte ich keine feststellen. Zwei angesetzte Tests wurden wieder abgesagt, Tesla gab an, dass die Pressefahrzeuge nicht verfügbar sind und einmal wurde das Fahrzeug sogar von Journalisten stark beschädigt.
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Der Test hat nun stattgefunden und eigentlich bin ich sehr begeistert. Nur leider ist das Auto schon ein wenig zu viel des Guten. Oder?

Dazu vorweg: Das Model X ist ein beeindruckendes Automobil. Nicht nur wegen der hinteren Falcon Wings (Flügeltüren) und dem gebotenen Luxus an Bord, auch der 17-Zoll-Hochkant-Touchscreen beeindruckt sehr. Ich habe während der WAVE auch viele Gespräche mit anderen Elektro-Fans geführt und dabei kommt das Model X enorm gut weg.
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Beim Gewicht muss man sich fragen ob es wirklich wahr ist, dass man da 2.5 Tonnen besteigen muss. Auto und Batterie sind aber derart schwer, dass ich das Model X inzwischen mit einem Fragezeichen versehe. Ich bin nämlich sehr oft alleine unterwegs und das mit dem riesigen Schiff von Tesla würde meinem Gewissen nicht gut tun. Es macht schlicht keinen Sinn ein so grosses Fahrzeug im Alltag zu bewegen und damit im Stau zu stehen. Natürlich immer noch besser als mit dem V8 und einem Verbrauch von 24 Litern auf hundert Kilometer aber an sich sollte man ein Model X auch artgerecht bewegen, sprich immer mit Familie oder Kollegen und Kolleginnen unterwegs sein.
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Den X gibt es nur mit einem Allradantrieb, unter anderem wegen dem hohen Gewicht. Der elektrische Allrad-Antrieb von Tesla wird dabei mit zwei Motoren gesteuert, einer wird an der Vorderachse und der zweite an der Hinterachse angebaut. Die beiden Motoren arbeiten dann parallel und stetig am Vortrieb. Die Beschleunigung darf sich sehen lassen, in 3.1 Sekunden beschleunigt der schnellste Model X mit dem P 100 D-Paket auf hundert Stundenkilometer. Der getestete P 90D ist da ganz leicht langsamer, er braucht 4 Sekunden auf hundert Stundenkilometer.
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Alle Portale öffnen elektrisch, je nach Einstellung schon bei Annäherung. Auf engeren Parkplätzen oder in Garagen öffnen die Flügeltüren aus Vorsicht nur halb. Fährt man sie dann ganz hoch, merkt sich das die Elektronik. Parkt der Tesla wieder mal an derselben Stelle, fährt er die Türen gleich ganz hoch. Sensoren an allen Ecken sorgen dafür, dass die Türen bei einem Hindernis stoppen und sich so nicht selbst kaputtrempeln. Die Sensoren verhindern auch, dass Kinder und Erwachsene von den Türen gequetscht werden, grosse Personen unterhalb der Türen werden dabei aber das eine oder andere Mal touchiert. Hat man den Tesla mit genügend Abstand eingeparkt kann man schon bei der Annäherung alle Türen öffnen, auch die Falcon-Wings schwingen dann nach oben.

Sobald man sich dann auf den Fahrersitz setzt und die Bremse tritt, geht die Fahrertür auf jeden Fall elektrisch zu. Die restlichen Türen kann man dann auf dem mittleren Bildschirm einzeln oder gemeinsam schliessen, das ist vor allem aufgrund der vielen Türen eine tolle Möglichkeit.
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Beim Sitz-Layout gibt es bei Tesla drei Varianten mit 5, 6 oder 7 Sitzen. Im Testwagen von Tesla war dann die mittlere Variante mit sechs Sitzen verbaut und die ist sicher die luxuriöseste aller Möglichkeiten. Die mittleren Sitze sind einzeln eingebaut und nach vorne und hinten elektrisch verschiebbar, so kann man die dritte Sitzreihe im Fond ganz gut erklettern. Die letzten beiden Sitze hinten im Fond sind vor allem bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt, die Sitzhöhe ist für grosse Personen aber leicht eingeschränkt. Lustig ist, dass der Tesla mit verstellten mittleren Sitzen keinen einzigen Meter fährt. Da ist eine Sperre eingerichtet, damit man nicht die Sitze verstellt und dann losfahren kann. Will man etwas transportieren und verstellt dafür die Sitze, hat man dann einfach Pech gehabt.

Dabei ist das Model X geradezu prädestiniert zum Transportieren, der riesige SUV hat enorm viel Raum im Angebot. Alleine schon durch den fehlenden Motor in der Front gibt es unter der vorderen Haube 187 l Gepäckraum. Im hinteren Teil des Autos haben dann 2’180 Liter Gepäck platz, soviel braucht man höchstens beim Umzug einer Wohnung.
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Irre sind die Fahrleistungen mit einer Beschleunigung von weniger als 4 Sekunden auf 100 km/h. Fahrwerk und Fahrverhalten des Autos können nicht ganz mit der Leistung mithalten, sind aber sehr gutmütig in der Anwendung der ganzen Power. Die Wankneigung der Karosserie ist für ein so grosses und schweres SUV erstaunlich gering. Beim Einlenkverhalten und der Kurvenpräzision ist der Tesla aber klar zu schwer und versucht sich der Fliehkraft hinzugeben. Bei hohem Tempo ist auch der Geradeauslauf des Tesla Model X etwas unschlüssig ob er gerade aus will oder eher doch eine Abkürzung nehmen möchte. Die Luftfederung arbeitet zwar in der Regel ganz gut, ab und zu gibt es aber Schlaglöcher die man sehr deutlich spürt.

Bei mir hat der Tesla Model X immer eine Reichweite unterhalb von 350 km angezeigt. Das reicht für weite Reisen und der nächste Supercharger ist bekanntlich nicht weit entfernt.

Beim Fahren ist das Tesla Model X ein reines Vergnügen. Er bleibt immer sicher, hat beste Traktion und solange man nicht gerade einen engen Parkplatz ansteuert, fühlt man sich ganz wohl. Das Model X ist derzeit das einzige E-Auto mit dem man einen grossen Anhänger mit maximal 2.2 Tonnen ziehen kann. Das ist beeindruckend und für jene Kunden wichtig, die gerne einen Anhänger schleppen wollen.
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Obwohl bereits aus dem Model S bekannt, beeindruckt das Tesla-Infotainment mit seinem grossen Bildschirm, der übersichtlichen Darstellung und einem wunderschönen HiFi-Klang. Die schalterlose Bedienung lenkt während der Fahrt jedoch ab, vor allem wenn man die Funktionen nicht findet, die man sucht.
Beim Preis langt Tesla richtig zu, der Testwagen kommt auf 148‘000 Franken. Das ist sehr viel Geld und wenn Tesla nicht inzwischen ein günstigeres Model 3 für Otto Normalverbraucher angekündigt hätte, müsste man dem Unternehmen schon Vorwürfe machen. So kann man einfach feststellen, es ist sehr viel Geld das Tesla da verlangt, derart viel Elektro-Auto ist es eigentlich nicht.
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Derzeit bietet Tesla drei Varianten an, die getestete P90D gibt es bereits nicht mehr.
X 75D: Leistung 328 PS, Reichweite ca. 417 km, Beschleunigung 0-100 km/h in 5,2 sec., Höchstgeschwindigkeit 210 km/h, Preis:89‘900.- CHF
X 100D: Leistung 575 PS, Reichweite ca. 565 km, Beschleunigung 0-100 km/h in 4,9 sec., Höchstgeschwindigkeit 250 km/h, Preis: 107‘450.- CHF
X P100D: 613 PS, Reichweite ca. 542 km, Beschleunigung 0-100 km/h in 3,1 sec., Höchstgeschwindigkeit 250 km/h, Preis: 156‘100 CHF

Mein Fazit:
Das Model X war immer schon ein Wunschtraum von mir, ich würde gerne einen besitzen. Der gebotene Raum und die eingebauten Extras begeistern. Das Fahrverhalten entspricht den technischen Möglichkeiten und von einem so schweren Auto kann man nicht agiles Kurvenverhalten erwarten. Mir ist der Luxus etwas zu gross, die Beschleunigung etwas zu stark, ich würde auch diese Falcon-Wings-Türen nicht benötigen. Deshalb werde ich mir keinen zulegen, so leid es mir tut. Schlussendlich liegt es aber vor allem am Preis, das gebe ich gerne zu.


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