Fahrbericht: Alpine A 110 – praktisch tief zu fliegen – Update mit Video

Die Alpine A 110 hat historische Wurzeln. Da gab es schon einmal von 1955 bis 1995 eine französische Marke mit diesem Namen und die baute Zweisitzer mit dem Anspruch zum Sieg. Nun hat Renault als Besitzer der Marke Alpine diese wiederbelebt und die letzten 5 Jahre ein Sportauto der Extraklasse entwickelt.
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Letzte Woche durfte ich in der Provence das erste Mal Platz nehmen und die Alpine A110 kennen lernen. Nicht nur in der Region Aix en Provence durften die Journalisten rumkurven sondern auch auf einem Circuit in den Bergen Südfrankreichs einmal austesten, was die Alpine drauf hat.
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Die 252 PS starke Alpine A110 ist ein starkes Sportauto mit dem Gen, im Alltag und auch im sportlichen Bereich zu begeistern. Im Alltag begeistert die Alpine aufgrund der starken Fahreigenschaften mit einem durchaus weichen Touch, so dass die Federung zwar die Strasse zum Erlebnis macht aber nicht aufdringlich bis in die Knochen geht.

Auf der Sportstrecke oder in den Bergen begeistert die Alpine A110 mit einem Fahrwerk und einer Beschleunigung, die vieles in den Schatten stellt und doch nicht zu aufdringlich ist. Nicht die Lautstärke entscheidet, wie man bei Alpine betont, sondern die Umsetzung der Fliehkräfte.
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Der Mittelmotor-Sportwagen hat mir einmal mehr gezeigt, das in Sachen Motorisierung nicht die Kraft alleine und die Zylinderzahl matchentscheidend sind. Die A110 hat durch eine Gewichtsverteilung von 46 zu 54 % das Hauptgewicht auf der hinteren Achse, womit die Fliehkräfte sich im Grenzbereich sehr lange gutmütig mitbewegen. So ist die A110 immer wieder für einen schnellen Schlenker gut, wo andere Autos dann gnadenlos versagen.
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Beindruckend am Gesamtkonzept ist die Leichtigkeit, denn die Alpine A110 wiegt nur gerade mal 1080 Kilogramm. Damit gehört der Sportwagen im Gewichtsbereich zu den leichtesten Fahrzeugen auf dem Markt und Renault/Alpine betonte vor den Journalisten den Aufwand, den man betrieben hat. An jedem Bauteil und an jeder Schraube wurde gespart und extra noch die Soundanlage von Focal mit neuen Materialien ausgestattet, damit man auch hier nicht unnötig Gewicht einbauen muss. Entstanden ist eine leichte Sportflunder die es mit ihrem Charme und Aussehen durchaus in die Top Ten der Sportwagen schaffen kann.

Das Design ist an den berühmten Vorgänger angelehnt, wurde aber deutlich moderner gestaltet und wie Alpine betonte, auch ausgiebig getestet. Ein wichtiges Element dabei war der Unterboden, denn der wurde samt Diffusor so konzipiert, dass man laut Alpine getrost auf einen wuchtigen Heckspoiler verzichten kann, zumindest wenn man nicht die ganze Zeit auf der Rennstrecke verbringt.
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Auf der Rennstrecke selbst wünscht man sich bei hohen Geschwindigkeiten einen Hechspoiler dazu, zumindest auf dem Circuit du Laquais in Südfrankreich. Die Rennstrecke ist klein und fein und bietet einiges an Hügeln wobei der Kurs technisch von Alpine mit Pilonen noch verschärft wurde. Denn wie alle kurzatmigen Sportwagen mit kurzem Radstand zeigte auch die Alpine hervorragende Kurveneigenschaften, war aber im Hochgeschwindigkeitsbereich dann zu leicht, um einen angenehmen Speed zu vermitteln. Der kleine Kurs passte deshalb bestens zur Alpine-Präsentation, hier konnte die Alpine eindrücklich zeigen wo ihre Qualitäten liegen.
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Die neue Alpine A110 ist gerade mal 1,25 Meter hoch und sieht nicht so bequem aus, wie sie dann wirklich ist. Das zieht sich aber durch die Geschichte der Marke hindurch, schon früher war die Alpine ein bequemes Sportauto, bequemer als andere. Vorne und hinten hat es jeweils einen kleinen Kofferraum in dem man diverse Taschen verstauen kann, innen hat es nur eine Dokumententasche hinter den Sitzen, nicht mal ein Handschuhfach. Braucht es auch nicht zwingend, denn hohe Sportlichkeit gibt es selten mit vielen Ablagefächern.

Der Sound in der neuen A110 ist eine feine Angelegenheit und im Gegensatz zu den italienischen Sportlern nicht so aufdringlich. Die 252 PS und 320 Nm kommen bestens zur Geltung ohne mehr als das eine oder andere Blubbern zu benötigen. Das neu entwickelte 1,8-Liter-Turbo-Triebwerk schorchelt, grollt, faucht und wird auch durchaus etwas lauter, ohne das man Angst haben muss, dass die Nachbarn aus dem Haus heraus laufen.

Die Alpine A110 hat drei Fahrmodi und kann automatisch und selbstständig schalten oder mit den Lenkrad-Paddeln bewegt werden. Im Normalmodus resultieren Verbräuche von rund 5 bis 7 Liter nach Bordcomputer, im Sportmodus gehen die Werte deutlich nach oben. Im Track-Modus kann die A110 nur manuell mit den Paddeln geschaltet werden, dann faucht und brüllt der Mittelmotor auch deutlich mit. Das ESP lässt dann auch etwas Heckbewegungen zu, das riegelt der Mittelmotor-Sportwagen sonst deutlich herunter.
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Die A110 kommt Anfang 2018 zunächst in der «Première Edition» zum Preis von CHF 62’000.- zu ihren Besitzern. Die auf 1ʼ955 Exemplare limitierte Sonderserie war im Dezember 2016 bereits nach nur fünf Tagen komplett reserviert. In die Schweiz gelangen laut Renault etwa 110 Fahrzeuge der Premiere Edition, die Kunden dürfen sich auf ein tolles Fahrzeug freuen.

Alpine Video mit Didi Klement am Volant:

http://www.alpinea110moment.com/bucket/alpine-a110/2017-11-29t13-55-13-947-2-mp4/

Mein Fazit:
Die Alpine ist ein sehr schönes Sportauto geworden, Hut ab vor der Eleganz mit der die Sportwagenkunden erobert werden. Das Doppelkupplungsgetriebe mit dem Mittelmotor zeigt eindrücklich, dass heute kaum jemand eine Handschaltung braucht, das Gesamtkonzept ist beeindruckend umgesetzt. Die Alpine ist ein kleiner, leichter Sportwagen mit alltagstauglicher Federung, die sich deutlich sportlicher fahren lässt als mancher Mitbewerber. Preis und Leistung sind von mir aus gesehen im Einklang. Vermisst habe ich einzig den Elektromotor als Antriebseinheit, dort könnte Alpine in Zukunft noch Punkte holen (zumindest bei mir).

Alle Fotos aus der Provence:
https://plus.google.com/photos/108678166096574454776/albums/6495980046223311617


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