Fahrbericht: Nissan Leaf II – schöner, besser, praktischer

Der neue Nissan Leaf ist erst seit März 2018 auf dem Markt, er hat aber schon viele Bestellungen ausgelöst und kommt sehr gut an. Nissan hat mit dem Leaf die Elektromobilität nicht nur fortgesetzt, das japanische Unternehmen hat mit dem neuen Leaf einen modernen Nachfolger des ersten Leafs gebracht, der sehr viele innere Werte hat.
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Der Leaf ist erwachsen geworden und hat bei der Reichweite auf 400 km zugelegt. Dazu wurde die Form sehr viel homogener und polarisiert deutlich weniger.

Nissan hat mir einen Leaf II für die Zeit der WAVE zur Verfügung gestellt und insgesamt habe ich auf das Fahrzeug 2380 Kilometer drauf gefahren, womit ich mich schon als kleinen Leaf-Profi bezeichnen kann.
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Mein Fazit zum Fahrzeug fällt sehr positiv aus. Nissans Leaf ist nun erwachsen geworden und ist bei den Elektroautos das Fahrzeug schlechthin, auf das man sich verlassen kann. Einzig der Chademo-Schnelllade-Anschluss ist noch eine Sache für sich, die muss man üben wenn man viel unterwegs ist, weil ich hatte damit leichte Schwierigkeiten. Der Rest zeigt sich sehr perfekt, sieht man davon ab das man beim Navi und der Rückfahrkamera eigentlich heute schon anderes gewöhnt ist.
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Die Aussenmasse des neuen Leafs sind mit 4,49 Meter Länge, 1,79 Meter Breite, 1,54 Meter Höhe und einem Radstand von 2,70 Metern identisch mit dem Vorgänger. Das Platzangebot ist gleich geblieben, der Innenraum wirkte früher eher etwas grösser. Der neue Leaf hat nun 435 Liter Stauraum, damit werden viele andere Fahrzeuge übertrumpft. Durch Umklappen der Rückbank erreicht man einen Stauraum von 1176 Liter Volumen.

Die Batteriekapazität ist bei gleicher Baugrösse auf 40 kWh gesteigert worden, damit kommt der Leaf in eine für Kleinwagen sehr grosse Reichweitenklasse. Rund 415 Kilometer gibt Nissan an, kommt der Leaf II im WLTP-Modus in der Stadt. Im Mischbetrieb ist er immer noch für 285 Kilometer gut und das sind deutlich bessere Werte als der Vorgänger hat. In der Praxis zeigt sich das Auto mit einer garantierten Reichweite von 250 Kilometer als sehr gut nutzbar, im Detail habe ich auch die 400 Kilometer geschafft, dazu muss man sich aber dann schon anstrengen und darf weder zu stark beschleunigen noch wirklich hohe Geschwindigkeiten fahren.
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Interessanterweise gibt es beim Leaf ein E-Pedal, von dem Nissan verspricht, dass man damit nie mehr bremsen muss. Dem kann ich zustimmen, das E-Pedal ist eine tolle Erfindung. Es erfordert etwas Tranining aber sobald man da einmal verstanden hat wie es arbeitet, kommt man weitgehend ohne Bremsen aus. Die gesamte Anhalteenergie wird dann in die Batterie gespiesen, das freut den Elektroauto-Fahrer. Es gibt auch den Eco-Modus und einen B-Modus für erhöhte Rekuperation, die sind aber inzwischen wohl Standard.
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Aufgeladen wird der Leaf wie bislang über einen Typ 2-Stecker oder einen daneben liegenden Chademo-Anschluss, beide haben Vor- und Nachteile. In der Schweiz ist der Chademo-Anschluss noch recht verbreitet, dieser kann bei voller Kapazität in 40 Minuten den Akku wieder zu 80 % aufladen. Allerdings muss man dort auch aufpassen, denn nicht alle Chademo-Lader bieten auch die volle Kapazität. Der langsame Ladeanschluss für den Haushaltsgebrauch hat Mühe die Batterie voll zu laden, rund 20 bis 23 Stunden muss man rechnen bis das Auto wieder voll ist.

Wie es heisst hat Nissan in den ersten Serien des neuen Leafs noch kein Thermo-Management eingebaut. Das bedeutet eingeschränkte Langstreckentauglichkeit, denn wer mehrmals am Tag die 280 Kilometer Reichweite hintereinander reihen will stellt fest, dass die Ladeleistung beim zweiten Schnellladen deutlich sinkt. Das ist eine einfache Funktion, damit jede Überhitzung der Batterien beim Aufladen ausgeschlossen werden kann. Wer aber schnell von A nach B will und zwei mal Schnellladen einkalkuliert, kann dann überraschend feststellen, dass es einfach nicht geht.

In den kommenden Wochen soll der Leaf nun auch mit einer 60 kWh-grossen Batterie auf den Markt kommen. Die erhöhte Kapazität nimmt etwas Druck weg weil rund 500 Kilometer Reichweite vorhanden sind, rund 350 Kilometer wird der Leaf mit 60 kWh auch auf der Autobahn schaffen.

Das Fahren selbst ist easy. Der Leaf fährt sich mit dem Elektromotor und 150 PS Leistung ganz normal, auch schnelle Sprints und zügiges Kurvenfahren liegt drin. Das Drehmoment von 320 NM kommt vom ersten Moment an und das macht Spass. Durch die Batterie im Fahrzeugboden ist die Kurvenlage sehr gut, die Spurtreue fast nicht zu toppen.
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Der neue ProPilot von Nissan sorgt dafür, dass der Leaf auf der Autobahn autonom fährt und mit der eingestellten Geschwindikeit in der Spur bleibt. Der Fahrer wird zwar alle 15 Sekunden ermahnt seine Hände ans Lenkrad zu legen, aber ganz abschalten will man ja sowieso nicht.

An der WAVE hat sich der Nissan Leaf von seiner besten Seite gezeigt. Als Tour Manager habe ich jeweils auf der Elektro-Rallye sehr viele Aufgaben zu bewältigen, das war alles bestens zu meistern. Egal ob ich noch einmal retour fahren musste um etwas zu holen oder zu bringen oder ob ich voraus fahren musste um etwas zu organisieren, der Leaf hat mich nie im Stich gelassen. Im Gegensatz zum Opel Ampera-E im Vorjahr hat der Leaf sich auch etwas besser laden lassen, man kann sich da eher zurück lehnen und muss nicht mehrmals pro Nacht kontrollieren ob das Auto lädt. Im Vergleich zum Ampera-E zeigt sich, dass der leicht modernere Nissan Leaf trotz kleinerer Reichweite durch das bessere Laden gleich schnell am Ziel ankommt, wenn man grössere Entfernungen zurück legt.
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Ein Elektroauto kann man heute aber immer noch nur mit Verstand fahren. Einfach einsteigen und leer fahren und hoffen das es nach 280 Kilometer eine Nachladung gibt, das ist noch nicht möglich. Obwohl das Netz vorhanden ist, muss man jede Fahrt vorbereiten und entsprechend einplanen, wo man laden will. Dazu passt der gute Spruch von Frank Schröder, Phoenix Contact: „Stehzeit ist Ladezeit“, egal mit welchem Auto man unterwegs ist.

Mein Fazit:
Der Leaf II ist Nissans neuer Wurf in Sachen Elektromobilität. Der Vorgänger war beim Design Geschmacksache, er polarisierte stärker. Nun ist der Leaf moderner und praktischer geworden, ein tolles Fahrzeug, das kann man betonen. Etwas enttäuscht bin ich vom Navigationssystem, dem Monitor und der Rückfahrkamera, als Tesla-Besitzer bin ich hier ein grosses Display und den grossen Überblick gewohnt. Das Fahrmanagement mit dem E-Pedal, die Nutzung der verfügbaren Energie, hier bekommt der Leaf aber viele Pluspunkte, nicht jedes Auto lässt sich auf magere 10 kWh pro 100 Kilometer Verbrauch drücken. Auch die übrige Technik wie der Parkassistant und der ProPilot für autonomes Fahren auf der Autobahn erhalten von mir Pluspunkte, das sind ausgezeichnete Referenztechnologien, die das Leben einfacher machen.

Der neue Leaf ist ab 37’490 Franken verfügbar, wobei das Wort verfügbar mit Vorsicht angegeben werden muss. Wie Händler gerne festhalten, ist es schwer die Verfügbarkeit des Leaf einzuschätzen. Man hat auch schon von 18 Monaten Lieferzeit gehört, das ist aber Quatsch. Reto Baier von der Nissan-Garage in Herisau bestätigte, dass einzelne Modelle geordert sind und noch auf Kundenwünsche angepasst werden können. Die schnellstmögliche Verfügbarkeit ist so etwa August oder September. Werksbestellungen die nun frisch aufgegeben werden, sind derzeit möglich mit Liefertermin Januar oder Februar.

www.Nissan.ch


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