Volkswagen Nutzfahrzeuge elektrisiert den Crafter – Update

Volkswagen Nutzfahrzeuge hat in den letzten beiden Wochen in Hamburg den neuen E-Crafter vorgestellt. Täglich durften Journalisten aus der halben Welt Platz nehmen in den verschiedenen Craftern und damit Hamburg unsicher machen. Schon am Flughafen Hamburg haben mehrere E-Crafter auf die Fahrerinnen und Fahrer gewartet, die VW eingeflogen hat. In einem kurzen Briefing wurde dann der E-Crafter vorgestellt und auch der Tagesablauf präsentiert. Vom Flughafen aus ging es direkt zum Hafen, wo dann der versammelten Presse der E-Crafter in allen Einzelheiten präsentiert wurde. Anschliessend konnten die Journalisten in Zweier-Teams durch Hamburg fahren und auf verschiedenen Routen diverse Hotspots der Grossstadt anfahren.
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Der E-Crafter zeigte sich dabei von seiner schönsten Seite, elektrisch unterwegs auf flüsterleisen Pfaden war es durch Hamburg eine tolle Reise. VW hat damit gezeigt, wofür der E-crafter gedacht ist. Nämlich die letzte Meile emissionsfrei zu betreiben und Lieferdienste mit dem E-Crafter in alle Innenstadt-Zonen zu schicken.

Der E-Crafter ist ausgelegt auf Zuladungen von bis zu 1,72 Tonnen. Der 100 kW (136 PS) starke e-Crafter ist gut für rund 150 Kilometer und damit kommt er vollgeladen auch rund 100 Kilometer weit, leer liegen wohl fast bis zu 200 Kilometer drin.
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Der neue e-Crafter ist schon länger und zum Teil sehnsüchtig erwartet worden, im Transporter-Bereich ist das Angebot im Moment fast nicht vorhanden. Der E-Crafter ist auf jeden Fall für VW ein progressives Statement: Da er keine Emissionen entwickelt, ist er mit allen weltweit erdenklichen Umweltzonen kompatibel. Fahrverbote sind damit recht einfach zu umgehen und statt dreckigen Abgasen wird gar nichts mehr ausgestossen. Das ist auch ein Grund, warum der E-Crafter vor seiner Markteinführung mit dem „Europäischen Transportpreis für Nachhaltigkeit 2018“ in der Kategorie „Transporter und Lieferwagen“ ausgezeichnet wurde.

Entwickelt wurde der e-Crafter für alle Unternehmen, die im innerstädtischen Bereich aktiv sind. Dort fallen meist keine grossen Reichweiten an, dafür muss der Lieferwagen aber ständig von Ampel zu Ampel und von Halt zu Halt preschen. Etwas wo der Elektromotor viel besser geeignet ist als der Diesel und vor allem Vorteile hat bei den Emissionen.
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Laut Volkswagen Nutzfahrzeuge hat man im Vorfeld der e-Crafter-Entwicklung von mehr als 1.500 Kunden über 210.000 Fahrprofile ausgewertet. Die meisten legen wohl etwa 70 bis 100 Km pro Tag zurück, deshalb ist der E-Crafter genau auf diesen Kundenkreis entwickelt worden.

Netto wird der neue e-Crafter zu Preisen ab 69.500 Euro (Deutschland) an den Start gehen, der Schweizer Preis ist noch unbekannt und unbekannt ist auch die Menge, die man in Hannover bei VW produzieren wird. Man spricht von einer 4-stelligen Zahl pro Jahr, wobei das Spektrum bei 1001 anfängt und bei 9999 aufhört. Vollkommen unklar wird die Situation für anfragende Journalisten wenn man wissen will, wie viele E-Crafter für die Schweiz vorgesehen sind. Weder VW Hannover noch VW Schweiz wollen da explizit Auskunft geben, man muss deshalb davon ausgehen das man nicht viele Fahrzeuge im Schweizer Markt vorfinden wird.
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Das hat viele Gründe und hängt auch damit zusammen, dass die Kunden in der Schweiz andere Ansprüche haben. In der Schweiz gibt es nicht viele Grossstädte in denen man 100 Kilometer am Tag zurücklegen kann und die Lieferrouten führen oft über Hügel oder in die Berge. Da ist der E-Crafter im Moment benachteiligt, weil er nur mit Frontantrieb verfügbar ist. Man kann da aber durchaus betonen, dass der E-Crafter in der Lage ist grosse Steigungen zu bewältigen.

Der e-Crafter wurde parallel zu den Modellen mit emissionsoptimierten Euro-6-Dieselmotoren (TDI) entwickelt, hat VW verlauten lassen. Der E-Crafter ist damit von Anfang an mitgeplant worden und das merkt man dem Crafter auch an. Die Fortbewegung ist sehr harmonisch und extrem dynamisch und wer direkt vergleicht mit den Verbrenner-Kollegen wird sehen, dass der E-Crafter der bessere Transporter ist. Natürlich mit einigen Nachteilen wie der Reichweite und dem Nachteil, dass man mit dem Nachladen etwas mehr Zeit verliert als bei einem Tankvorgang an der Tankstelle.

Beim E-Crafter wird die Lithium-Ionen-Batterie platzsparend im Unterboden untergebracht. Dadurch kann das volle Ladevolumen des 2.590 mm hohen Hochdach-Kastenwagens genutzt werden. Insgesamt lädt der Transporter 10,7 m3. Die maximale Zuladung beträgt je nach Ausführung zwischen 0,975 und 1,72 Tonnen.
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Vorn im e-Crafter ist der Elektromotor integriert – eine Synchronmaschine des Typs EEM85. Der Motor stellt 100 kW als Peakleistung zur Verfügung. Das maximale Drehmoment beträgt 290 Nm. Übertragen wird die Kraft über ein für Nutzfahrzeuge ausgelegtes 1-Gang-Automatikgetriebe (EQ 290) an die Vorderachse. Motor, Getriebe und Differenzial bilden ein kompaktes Modul. Hergestellt wird diese Einheit im Komponentenwerk Kassel.

An einer CCS-Ladestation mit 40 kW (Gleichstrom) ist die Batterie (Energiegehalt 35,8 kWh) nach nur 45 Minuten wieder zu 80 Prozent geladen. CCS ist die Abkürzung für das international standardisierte Combined Charging System – das Laden mit Gleichstrom, das im e-Crafter serienmäßig enthalten ist. Wird eine AC-Wallbox mit 7,2 kW (Wechselstrom) genutzt, ist der Akku binnen 5:20 Stunden wieder zu 100 Prozent mit Energie versorgt; das geschieht in der Regel über Nacht auf dem Betriebshof des jeweiligen Unternehmens.
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Der e-Crafter wird ab sofort mit modernsten Assistenz-, Komfort- und Infotainmentsystemen auf den Markt kommen. Ein Liefertermin für die Schweiz ist noch nicht bekannt.

Mein Fazit:
Der E-Crafter fährt sich gut, kommt aber nicht ganz perfekt… VW Nutzfahrzeuge hat darauf verzichtet verschiedene Stufen der Rekuperation einzubauen. Man sagt, es genügt eine und alles andere ist zu kompliziert. Das mag für Otto-Normalfahrer und Ingenieure gelten, für den Elektroautofahrer gilt das nicht. Ein Verbrauch von 21 kWh pro 100 Kilometer ist hoch, da will der eine oder andere Fahrer nach einer Gewöhnungsphase durchaus erfahren, ob er weiter fahren kann. Mit nur einer Rekuperationsstufe die voreingestellt ist, können nicht alle Situationen ausgenutzt werden, das ist schade. Ansonsten fährt sich der E-Crafter perfekt, ist viel angenehmer als ein Diesel und selbst die Hamburger Bevölkerung hat den Daumen hochgehalten an diversen Ampeln, wenn man mit dem E-Crafter vorgefahren ist. Der Preis ist allerdings recht hoch geworden, für 70’000 Euro bekommt man aber ein Fahrzeug mit dem man Lieferungen mit gutem Gewissen ausfahren kann und das ist in der Zukunft kaum zu toppen.


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