E-Transporter-Vergleichsfahrt mit eCrafter, Master Z.E. und Maxus EV80

Am Auffahrts-Donnerstag versammelten sich in Flawil drei besondere E-Fahrzeuge grosser Bauart zu einem Transportertreffen. Anschliessend ging es auf Vergleichsfahrt über Degersheim, Mogelsberg und Wattwil bis nach Flawil zurück. Am Start waren der Maxus EV80 von SAIC aus China, der von HauptService GmbH importiert wurde und der Renault Master Z.E. sowie der VW E-Crafter, die von Autonews.ch und Catch-e.ch organisiert wurden.
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Schon das Abholen und zusammenführen der Transporter war eine spannende Herausforderung, denn vom Platzbedarf her war mir klar, dass ich diese Transporter nicht einfach auf meinen privaten Parkplatz stellen kann. Zum Glück hat mein Nachbar vier grosse Parkplätze die ich nutzen konnte, sonst wäre es sehr eng geworden vor meiner Garage. Spannend gestaltete sich das Abholen der Fahrzeuge, weil die auf der Autobahn nicht einfach auf 130 km/h beschleunigen. Der E-Crafter von VW ist auf rund 90 km/h limitiert, er riegelt einfach ab wenn es zu schnell wird.
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Der Master Z.E. riegelt schon früher ab, zumindest im ECO-Drive-Modus denn dort will er sparsam unterwegs sein und lässt den Master bei 80 km/h hinter einem LKW verkümmern und langsamer werden. Nimmt man den Eco-Modus raus kann der Master zwar bis 100 km/h fahren, ist aber dann noch lange keine Rennmaschine. Überholvorgänge lieben die E-Transporter alle nicht, da muss man die Fahrzeuge schon sehr gut kennen um die Beschleunigung und die Grenzen der Geschwindigkeitszunahme genauer einschätzen zu können. Der Master schafft mit Zureden auch rund 90 bis 92 km/h, allerdings ohne ECO-Modus. Der Maxus EV 80 kann deutlich mehr als 100 km/h fahren, kommt somit auch im Windschatten eines Reisebusses klar.
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Längere Fahrten mit den Transportern macht man auf jeden Fall am ehesten hinter einem Lastwagen mit Anhänger, denn Windschattenfahren spart enorm an Energie und ist in der Regel eine ganz angenehme Angelegenheit, solange der Lastwagen vorne dran kein Raser ist und laufend überholt. Je nach Fahrweise des Lastwagens kann man dann näher oder weniger nahe auffahren und im Windschatten mit halber Kraft mitsegeln. Gerade bei den Transportern ist das noch wichtig, denn deren Reichweite ist nicht so berauschend.
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Die drei Transporter in Flawil:
VW E-Crafter, Kaufpreis ab 89’000.- CHF, Lieferfähigkeit eher bescheiden.
Frontantrieb, 136 PS/100 KW, 290 Newtonmeder
Zuladung 975 kg
Stromverbrauch bei 21.54 kWh / 100 km gemäss Werk.
Reichweite 173 km nach NEFZ-Modus.
Batteriegrösse 35.8 kWh.
Typ 2 Ladesystem, 8 Stunden Ladezeit an Wallbox mit 11 KW (6,6 kW, 2Ph/16A)
CCS Ladesystem, in 45 Minuten zu 80 % nachgeladen
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Renault Master Z.E., Kaufpreis ab 69’400.- CHF (in homöopathischen Mengen verfügbar)
Frontantrieb, 76 PS/56 KW, 226 Newtonmeter
Zuladung ca. 1300 kg, je nach Innenausstattung
Stromverbrauch k.a. / zu unterschiedlich
Reichweite real 120 km nach Werksangabe
Batteriegrösse 33 kWh.
Typ 2 Ladesystem, 11 Stunden Ladezeit an Wallbox mit 11 KW (3,7 kW, 1Ph/16A)
Keine CCS Schnellladung vorhanden
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SAIC Maxus EV 80, Kaufpreis ab 69’900.- CHF, lieferbar
Frontantrieb, 125 PS/92 KW, 300 Newtonmeter
Zuladung 950 kg
Anhängelast 1200 kg
Stromverbrauch 26 kWh / 100 km
Reichweite real 180-220, 190 km nach Werksangabe, mit Anhänger unter Volllast 160 km!
Batteriegrösse 56 kWh.
Typ 2 Ladesystem, 8 Stunden Ladezeit an Wallbox mit 11 KW (7 kW, 2Ph/16A)
CCS Ladesystem, 90 min. für 80 % der Ladekapazität, 2h für 0-100%
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Die vergleichende Testfahrt auf der Strecke Flawil, Degersheim, Nesslau, Wattwil, Mogelsberg und zurück war als Challenge ausgelegt. Wir versuchten eine gute Performance zu fahren und heraus zu finden, welcher Transporter einem liegt. Dazu wurde die Strecke von zwei Autos dreimal abgefahren, der Renault Master fuhr die Strecke nur zweimal ab. Das hatte auch zu tun mit dem Zeitfaktor, denn meine Wenigkeit musste dann auch noch einen anderen Termin wahrnehmen. Aber der Renault Master hätte die Strecke von 48 km kein 3. Mal geschafft, man hätte auf der Hälfte wohl nachladen müssen. Der Maxus hingegen hätte die Strecke durchaus ein viertes Mal hinlegen können, damit ist dieser der Reichweitenkönig. Als Fahrer traten an: Peer Haupt, Besitzer des Maxus EV 80, Unternehmer; Jann Haupt, Limousinen-Fahrer; Didi Klement, Autojournalist.

Einhelliges Fazit:
Der Maxus bietet als Chinese wohl das beste Preis-/Leistungsverhältnis, die Reichweite liegt bei rund 220 km und ist im Vergleich zu den Mitbewerbern trotz Dachträger überragend hoch. Mit der Anhängerkupplung zusammen ist der Maxus in der Lage sehr viel Ware zu transportieren.

Der VW E-Crafter ist am angenehmsten zu fahren, bietet satten Luxus und ein Top-Ladesystem, da kann man kaum Kritik äussern. Auch die Zuladung und die Grösse ist Top.

Der Renault Master kommt etwas weniger gut weg, wenn er auch deutliche Ehrlichkeitspunkte verdient hat. Die 120 km Reichweite sind ehrlich gemeint, das eine oder andere Mal wird der Master deutlich weiter fahren können. Negativ und eigentlich unbrauchbar ist das Ladesystem. Der Master hat im Moment nur einphasiges Laden an Bord und damit kann man Schnellladen vergessen. Die 120 km sind deshalb wichtig. Wer nun immer die gleiche Runde fährt hat mit dem Master einen guten Partner, hat aber auch wenig Reserven. Wenn man immer über Nacht lädt, spielt das Nachladen keine Rolle, dann geht es gut. In einigen Monaten will Renault zudem einen internen Lader einbauen, dann kann auch der Master Z.E. mit Schnellladung aufwarten.

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Alle drei Elektro-Transporter sind angenehm zu fahren und bieten unter fachkundiger Hand sehr schöne Erlebnisse, das Beladen und die Zuladung sind standeskonform. Setzt man Profis ans Steuer kommen die drei Transporter deutlich weiter als wenn Otto-Normalverbraucher am Steuer sitzt.

Trotz dem Preis dürfte der E-Crafter von VW die besten Marktchancen haben. Die Reichweite und die Zuladung sind marktgerecht und der höhere Preis lässt sich durchaus mit der Ausstattung rechtfertigen. Vom Fahrwerk und den Assistenten ist der E-Crafter am besten ausgestattet, die Technik ist vertrauenswürdig. Beim Renault und beim Maxus ist weniger anspruchsvolle Technik verbaut, da kann man durchaus die berechtigte Frage stellen ob die beiden Fahrzeuge denn auch ein stolzes Alter erzielen oder vorher in die Knie gehen. Saic betont in diesem Zusammenhang, dass man eine vollverzinkte Karrosserie verbaut und ein hohes Alter garantiert ist.

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Die drei Tansporter-Welten, die da aufeinander prallen sind deutlich in den Unterschieden. VW hat mit dem E-Crafter den jüngsten Wurf der Transporter-Familie entwickelt und ein Fahrzeug mit sehr viel Komfort und deutscher Wertarbeit beigesteuert. Beim Preis gibt man sich unbescheiden und bei der Lieferfähigkeit braucht es viel Geduld, das haben auch schon viele Kunden bemerkt die wirklich bestellen wollten.

Der Master Z.E. von Renault ist bereits seit einem Jahr auf dem Markt aber bislang noch nicht oft ausgeliefert worden. Die Auslieferungen muss man aber vielleicht relativieren, es gab im 2018 2 Auslieferungen und im 2019 nun schon 10 Verkäufe bis Ende April. Der Master Z.E. hat ein auf das französische Stromnetz ausgerichtetes Ladesystem, in der Schweiz kann das Fahrzeug deshalb derzeit nur einphasig laden und benötigt im Minimum 8.4 Std. für einen Ladevorgang und hat dann eine sichere Reichweite von 120 km.

Der Maxus bietet derzeit die beste Reichweite und deutlichmehr als 200 km. Alle drei Transporter sind der Eintritt in eine vollkommen neue Welt in der bislang der Dieselmotor den Ton angab. Vielleicht ist dereinst das Tranportieren nicht mehr Diesel-gestützt, im Moment können die Transporter preislich und bei der Reichweite noch nicht in jedem Fall konkurrenzieren. Wer aber zum Beispiel Lieferungen nur im Stadtverkehr macht und die Reichweite deshalb im Griff hat, der hat in Anbetracht der kommenden Umweltzonen und Diesel-Fahrverbote durchaus einen Grund den E-Transporter zu wählen.

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