Fahrbericht Jaguar I-Pace – Britische Elektronik die funktioniert

Der Jaguar I-Pace ist ein 400 PS starker Elektro-SUV, der schon lange vor seinem Start für Schlagzeilen sorgte. Unter anderem auch wegen dem Aspekt, dass in England bislang nicht viele Elektroautos entstanden sind und die Erfahrung damit fehlt. Da wurde in den Communitys viel diskutiert, ob ein Brite überhaupt elektrisch funktioniert oder ob man eventuell zwei Autos kaufen muss, damit man dann in jedem Fall Termine wahrnehmen kann. Das sind aber alte Gerüchte früherer Autowelten, mit den heutigen Fahrzeugen aus Grossbritannien hat das nichts mehr zu tun. Heute beschleunigt ein i-Pace in 4,8 Sekunden auf 100 km/h und ist ein sehr guter Praktiker mit Luxusanspruch.
Jaguar_I-Pace_021
Vorweg kann ich sagen, dass die Leistungswerte auf dem Papier immer schon überzeugten. Die 90-kWh-grosse Batterie ermöglicht eine Reichweite von rund 365 Kilometer und ob es nun 340 oder 400 km sind, entscheidet alleine der Gasfuss des Fahrenden. Der Hersteller verspricht rund 480 km Reichweite und übertreibt damit, soviel Reichweite gibt es nur wenn man dann ganz sparsam fährt. Möglich sein könnte es, mangels Zeit und Lust konnte ich den I-Pace aber nur an der E-June Anfang Juni testen und verzichtete auf eine Sparsamkeitsfahrt. Jaguar Schweiz hat bislang auch mehrere Anfragen meinerseits abgelehnt, als ich mit dem I-Pace auf Reichweiten-Testfahrt gehen wollte. Nachdem ich beim Opel Ampera-e mit 660 km einen bislang unerreichten Rekord aufgestellt habe, ist immerhin gewährleistet, dass ein Test das Maximum heraus holen würde aus dem Jaguar.
Jaguar_I-Pace_127
Der Jaguar war schon lange auf meiner Testliste weil der 4,68 Meter lange I-Pace ein vielversprechendes Konzept ist, bei dem die heutige SUV-Welt mit der Welt von Elektroantrieben verknüpft wird. Das ist grundsätzlich auf jeden Fall spannend und wenn dann auch noch genügend Sportlichkeit und Reichweite angeboten wird, ist das Gesamtkonzept bestechend. War es auch, bis man das erste Mal erfuhr wie der Jaguar zu laden ist. Zwar hat der Brite ein CCS-Ladesystem mit dem man bis zu 100 KW laden kann, in Echt laden die wenigsten jemals mehr als 50 KWh auf und damit ist der Jaguar immer zwei Stunden an der Ladesäule, wenn man schnell lädt. Lädt man den Jaguar zu Hause in der eigenen Garage auf, braucht es sehr viel Geduld denn es ist nur einphasiges Laden möglich und da braucht es dann schon 40 Stunden bis der Jaguar i-Pace gefüllt ist.

Jaguar_I-Pace_039

Die Briten wissen wie man gediegenen Luxus und angenehme Materialien mit Fahrkomfort zusammen steckt um einen tollen Effekt zu erzielen. Im i-Pace wird die Luxuswelt von Jaguar nicht nur sicht- und erlebbar, es wird sogar ein wenig viel Aufhebens darum gemacht. Kein Wunder kann man im neuen SUV so entspannt wie in kaum einem anderen Auto fahren. Das liegt nicht nur an der Akku-Reserve, es liegt an der Stille, die in diesem britischen Elektroauto zur Genusswelt wird. Es herrscht eine wohltuende Stille und wer sich traut, kann gut auf den Radio verzichten und anders Auto fahren als sonst. Die beiden Elektromotoren arbeiten flüsterleise und der Druck auf das Gaspedal wird kaum gehört weil sich der I-Pace nahezu lautlos in Bewegung setzt. Mit der Zeit und auf sportlichen Strecken vermisst man dann den Kontakt zur Strasse, die Rückmeldungen von Lenkung und Fahrwerk bleiben weitgehend aus, woran man sich auch erst gewöhnen muss.

Jaguar_I-Pace_102

Trotz der 2.2 Tonnen Leergewicht ist der i-Pace ein guter Sportler, die insgesamt 400 PS und der E-Antrieb sorgen für stetes vorwärtskommen. Bei jedem beherzten Druck auf das Gaspedal schiesst die Kraft in die Fortbewegung, der Vorwärtsdrang ist durchaus beeindruckend. Bei einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden fährt der Brite auch reinrassigen Sportwagen davon und kann beeindruckende Werte liefern. Leider wird er aber gerade beim sportlichen Fahren etwas zu luxuriös, ich würde gerne wissen wo er abriegelt und einbremst aber der Jaguar meldet das nicht zurück. Dafür kann er fein die Spur halten und lässt sich kaum aus dem Takt bringen, auch schnelle Lastwechsel sind möglich. Der i-Pace ist damit überraschend agil, das hätte ich dem Auto gar nicht in dieser Form zugetraut. Das Fahrwerk schluckt extrem viel weg, die Spurtreue ist gegeben und der Querversatz bei Schwellen fast nicht vorhanden.

Jaguar_I-Pace_057

Die zwei Elektromotoren sorgen für eine ideale Drehmomentverteilung, betont Jaguar. Wo also andere Autos durch ESP-Eingriffe das Fortkommen einbremsen, schickt der I-Pace das Drehmoment genau zu dem Rad, wo es gebraucht wird. Der Wagen wird stabilisiert und kommt erst gar nicht in den Grenzbereich.

Jaguar I-Pace EV400 S AWD
Zwei Permanentmagnet-Elektromotoren, 294 kW/400 PS, 696 Nm Drehmoment ab 1 U/min, Allradantrieb, 90 kWh Batteriekapazität
4,8 s auf 100 km/h, 200 km/h Spitze
21,2 kWh/100 km, 0 g CO2/km
480 km Reichweite nach WLTP
L 4,68 / B 1,90 / H 1,57 m
656 – 1453 l hinten, 27 l vorn
2208 kg Eigengewicht
ab 85’600.00 CHF

Jaguar_I-Pace_144

Mein Fazit:
Der I-Pace ist gut gelungen, bei den Knöpfen und Schaltern und Displays hat man leicht übertrieben und auch beim Fahrwerk, so viel Luxus passt auch nicht jedem. Der Antrieb ist sportlich abgestimmt und bietet tolle Fahrleistungen und eine extrem gute Kurvenlage. Beim Laden blieb er unter meinen Erwartungen, die verschiedenen Ladesäulen und die eher unterdimensionierten Zuleitungen sind noch nicht in der Lage überall die 100 kW zu ermöglichen, die der Jaguar kann. Die auf dem Papier sehr hohe Reichweite von 480 km erreicht der Jaguar nicht, so zumindest mein Eindruck auf der von mir organisierten Ausfahrt «E-June». Um das genauer bestätigen zu können werde ich Jaguar aber noch einmal um einen Test auf Sparsamkeitsfahrt bitten, immerhin habe ich viele meiner Testfahrzeuge schon auf beeindruckend tiefe Werte gebracht. Bevor ich wusste wie der Jaguar i-Pace lädt, war der SUV auf meiner Favoritenliste, nach meinem Test auf der E-June ist er wieder runter geflogen. Mir meldet das Auto zu wenig was auf der Strasse los ist, das Fahrwerk arbeitet zu gut für meinen Geschmack. Viele werden dieses Fahrwerk und die fehlenden Rückmeldungen von der Strasse bevorzugen, ich möchte lieber spüren ob alle Räder Grip haben oder nicht.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.