Fahrbericht: Maxus EV80 von SAIC – Chinesisch, einfach – praktisch – gut.

Im grossen Transporter-Vergleichstest in Flawil am Auffahrts-Donnerstag haben die beiden Gebrüder Haupt und Didi Klement den Saic Maxus EV80 Transporter, den VW E-Crafter sowie den Renault Master Z.E. miteinander verglichen. Dabei schwang der Maxus deutlich oben auf. Der Maxus hatte die grösste Reichweite, die grösste Zuladung und den günstigsten Anschaffungspreis und dies sogar bei über 20kWh mehr Akkukapazität. Betreffend Akku ist hier auch festzuhalten, dass dieser als einziger Transporter die Lithium-Eisenphosphat-Batterien verwendet, welche eine höhere Ladezyklenfestigkeit haben und allgemein viel sicherer sind.
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Natürlich ist Peer Haupt als Vermieter und Besitzer des Maxus in allen Foren aktiv begeistert und zeigt sich als grösster Fan des Transporters, doch auch alle anderen Fahrer beim Vergleichstest stimmen seiner Meinung zu. Aufgrund der chinesischen Herkunft mache ich für mich ein kleines Fragezeichen betreffend der allgemeinen Vorurteile zur Verarbeitung und Langzeit-Qualität, da ist nicht ganz klar ob die chinesische Firma SAiC nun vorne mit dabei ist. Vor allem was europäische Standards betrifft und man sieht auch deutliche Unterschiede in der Verarbeitung und beim Material. Die Machart kommt einem im ersten Moment vor, als ob die Gestaltung und Ausführung in den 90er Jahren stehen geblieben ist. Andererseits ist der Preis ja nicht erfunden, es hat seine Gründe warum ein E-Crafter von VW dann rund 30’000 Franken teurer ist. Ob es dann gleich eben diese grossen Unterschiede sein müssen oder ob es weniger hätten sein können, ist natürlich von jedem Kunden selbst zu beantworten.
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Der Maxus EV80 von SAIC Motors ist ein vollelektrischer Transporter mit über 10 m3 Ladevolumen und knapp einer Tonne Zuladung, was heute noch die wenigsten Elektrotransporter bieten in dieser Klasse. Zusätzlich interessant ist, dass der Maxus EV80 dann auch einen Anhänger ziehen kann, der auch zusätzlichen Stauraum und zusätzliche Zuladung anbietet.
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Die effektive Reichweite liegt bei ungefähr 220 Kilometern und der CCS-Anschluss mit bis zu 50 KW Ladeleistung sorgt für ein recht schnelles nachladen z.B. in der Mittagspause. Der Transporter ist 5,7 m lang und 2.35 m hoch und hat 3 Sitzplätze. Der Motor leistet 60 kW bzw. 81 PS und bei Vollgas kann man auch mit 92 kW/125 PS arbeiten, allerdings als Spitzenleistung und nur kurze Zeit. Das reicht aber im Alltag um auf der Autobahn mal einen Überholvorgang zu machen und dank dem Drehmoment von 300 Nm kann man schon einiges an Gewicht schleppen.
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SAIC ist in Europa schon bekannt und kommt nun mit dem MG ebenfalls elektrisch in eine breitere Masse, hat aber bisher noch nicht viele Produkte im Angebot. Der EV80 ist ein sehr einfach gestaltetes Fahrzeug für Transporte und Handwerker. Es gibt alles was nötig ist, aber nicht mehr. Radio, Klimaanlage, elektrisch verstellbare Spiegel sind Standard aber mehr gibt es auch nicht auf Nachfrage. Der Schalthebel ist an der Mittelkonsole angebracht und damit findet man den auch schon auf Anhieb. Im Armaturenbrett gibt es einen übersichtlichen Tacho, der ist zentral in der Mitte angeordnet. Praktisch ist wiederum, dass sich der Transporter so einfach fahren lässt wie jeder andere Transporter mit Automat und somit muss sich niemand an eine besondere Bedienung gewöhnen. Elektroautofahrer vermissen natürlich eine verstellbare Rekuperation um die Rückgewinnung der Bremsenergie zu steuern und die Rückführung in die Batterie zu erhöhen.
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Der EV80 hat einen Akku mit 56 kWh Kapazität und als Besonderheit zwei Ladeanschlüsse. In der Front-Stossstange gibt es einen Typ 2-Anschluss, der kann mit maximal 7 kW geladen werden. Einen CCS-Anschluss gibt es rechts hinter der Beifahrertüre, dort kann man sehr gut unterwegs nachladen, wenn die Reichweite nicht genügt.

Der Maxus EV80 ist einfach zu bedienen und fährt sich angenehm. Die Beschleunigung ist linear und elektrisch fortschrittlich, die Rekuperation könnte allerdings etwas besser sein und man vermisst in den Hügeln und Bergen der Schweiz eine Verstellmöglichkeit. Aktuell ist die Rekuperation sehr schwach gehalten und entspricht eher einer Gleitfähigkeit als einer Rekuperationsbremse. So kann diese kaum als Bremse dienen und gerade vollgeladen verpufft hier viel Energie. Definitiv Quatsch ist der CCS-Anschluss an der Seite rechts hinter der Beifahrer-Türe. dieser Ort ist nicht für Europa gedacht. Die Schweizer Ladestationen sind dafür nicht eingerichtet und die CCS-Ladekabel in vielen Fällen zu kurz. An vielen Ladestationen kann man nur nachladen wenn man schräg hin parkiert, dann geht man aber das Risiko ein, dass andere E-Auto-Besitzer blockiert sind. Besser wäre es wohl gewesen den Ladeanschluss links zu montieren oder weiter vorne oder ganz hinten zu platzieren.
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SAIC Maxus EV 80, Kaufpreis ab 69’900.- CHF, lieferbar
Frontantrieb, 125 PS/92 KW, 300 Newtonmeter
Zuladung 950 kg
Anhängelast 1200 kg
Stromverbrauch 26 kWh / 100 km
Reichweite real 180-220, 190 km nach Werksangabe, mit Anhänger unter Volllast 160 km!
Batteriegrösse 56 kWh.
Typ 2 Ladesystem, 8 Stunden Ladezeit an Wallbox mit 11 KW (7 kW, 2Ph/16A)
CCS Ladesystem, 90 min. für 80 % der Ladekapazität, 2h für 0-100%
Mein Fazit:
Der SAIC Maxus EV80 ist ein gutes, vollelektrisches Lastentier. Er bietet alles was er muss aber nicht mehr, fährt sich dafür einfach und unkompliziert. Mit 950 kg Zuladung und 10 m3 Ladevolumen ist der Maxus ausreichend gross um als echter Transporter zu gelten. Gut ist das Zubehörprogramm, denn man kann den Maxus hinten mit Trittbrettern und Anhängekupplung ausstatten und auch Dachträger sind verfügbar. Mit dem Anhänger kann man aber nicht wirklich viel Gewicht bewältigen mit 1200 kg, wer aber leichte Ladungen hat, kommt hier in den Genuss von viel Volumen und schlussendlich genügt das den meisten Handwerkern dann doch.

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