TCS: Welches Auto verursacht mehr Treibhausgas?

In einer aktuellen Medienmitteilung setzt sich der TCS gehörig in die Nesseln, wie man sagt. Man stellt die Frage ob „elektrisch oder fossil: Welches Auto verursacht mehr Treibhausgas?“ und welcher Antrieb klimafreundlich ist, und gibt auch gleich die Antwort: „Ein Experten-Tool von mehreren Automobilclubs gibt dazu nun erstmals hilfreiche Angaben. Die Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment – LCA) zeigt, wie viel Treibhausgas ein Fahrzeug von der Herstellung über die Nutzung bis hin zur Entsorgung verursacht. Für Elektroautos ist dabei in erster Linie der Strommix im Nutzungsland entscheidend. “

Laut TCS hat der Internationale Automobilverband FIA zusammen mit mehreren Automobilclubs und der Joanneum Research Forschungsgesellschaft aus Österreich die Life Cycle Assessment Analyse entwickelt. Der TCS hat dieses Expertentool an die Schweizer Gegebenheiten beim Strommix adaptiert und die Erkenntnisse auf seiner Webseite der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Tool ermöglicht es Konsumenten, sich vor dem Kauf eines Fahrzeuges über die Ökobilanz der verschiedenen Antriebsarten zu informieren.

Die Lebenszyklusanalyse zeigt, dass bei der Produktion von Elektroautos mehr Treibhausgase verursacht werden als bei der Produktion von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Bei der Nutzung hingegen schneiden die Elektroautos einiges besser ab, wobei dort der Strommix im jeweiligen Nutzungsland ausschlaggebend ist. In der Schweiz profitieren Elektroautos vom nachhaltigen Schweizer Strommix und verursachen derzeit über die gesamte Lebensdauer gesehen weniger Treibausgase als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren.

Hier wiederum verschweigt der TCS dass Elektroantriebe mit Batterien bereits nach 5 Jahren besser abschneiden als alle anderen Fahrzeuge, wie man der Grafik entnehmen kann. Bei einer Kilometerleistng von 13’000 km sind Elektroantriebe nach 65000 km deutlich besser unterwegs als alle anderen Antriebe.

Der TCS scheut sich dann nicht, die Behauptung aufzustellen, Zitat: „In Deutschland ist das Bild ein anderes; dort schneiden mit Diesel oder Benzin betriebene Fahrzeuge in Punkto Treibhausgasemissionen besser ab als Elektrofahrzeuge. Grund dafür sind die deutlich höheren Treibhausgasemissionen im deutschen Strommix.“ Das ist eine Falschaussage, denn die Studie des ADAC hat aufgezeigt, dass die Elektroautos bei Benzinern nach 127’000 km besser liegen im deutschen Strommix und bei Diesel der Wert bei 219’000 km liegt. Und der ADAC hat klar gestellt, dass die Elektroantriebe mit Batterien ab 40’000 km allen Verbrennern überlegen sind, wenn regenerativer Strom eingesetzt wird.

Erneut muss man die Sinnlosigkeit des Vergleichs an sich betonen, denn von der Produktion, Transport und Verteilung des Kraftstoffes wird wiederum kein Wert eingerechnet. Wird die Energie berücksichtigt und hier hat Exxon 42 kWh Strombedarf für die Herstellung von 6 Liter Benzin oder Diesel berechnet, sieht es nämlich bei allen Antriebsversionen sofort ganz anders aus, denn ein Elektroauto fährt mit 42 kWh Strom rund 200 bis 300 km weit und da ist der Verbrenner noch nicht einmal betankt.

1 Kommentar

  1. Naja, das Wichtigste an einem Vergleich ist stets die Basis. Bei diesem LCA wird beispielsweise eine 35kwh Batterie genommen. Eine solch kleine Batterie ist in einem Kleinstwagen verbaut. Ein E-Kompaktwagen wie beispielsweise der Opel e-Corsa verfügt bereits über eine 50kwh-Batterie. Für ein normalgrosses Auto und > 400km Reichweite braucht es da zur Zeit eher eine 80kwh-Batterie. Weiter wird eine Betriebsdauer von 15 Jahren und eine Batterielebensdauer von 150’000km zu Grunde gelegt – gleichzeitig jedoch erwähnt, dass für den Vergleich 13’000km/Jahr genommen wurden. Demnach müsste die Batterie also bereits nach 11,5 Jahren ersetzt werden, wofür man erneut den Produktions-CO2-Ausstoss vollumfänglich addieren müsste. Das Ganze ist für mich schon ziemlich weit weg von der Realität.

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