Fahrbericht: Testfahrt im Aiways U5 – Chinese mit Charme – Update

In diesem Sommer noch soll es endlich losgehen mit dem ersten China-SUV auf breiter Basis, der für Europa gedacht ist. Die chinesische Aiways bringt mit dem U5 nicht nur einen schönen sondern auch einen praktikablen und bestens durchdachten Elektro-SUV der durchaus auf breiter Basis einschlagen kann. Die Reichweite ist im Moment noch nicht bestätigt und nach WLTP-Norm abgenommen, 400 Kilometer Reichweite sollen aber machbar sein, heisst es von Aiways.

Den ersten Auftritt hatte der U5 bereits letzten Herbst im Glattzentrum, als er zusammen mit anderen Elektroautos im E-Garden von TCS und Energie360 seinen Auftritt hatte. Damals konnte man nicht viel Details zum Auto in Erfahrung bringen und wurde auf Genf 2020 vertröstet, nur fand Genf bekanntlich nicht statt. Eine Probefahrt hatte ich angemeldet aber auch die gab es nie. So wie mir ging es zudem vielen anderen, die den Aiways gerne mal gefahren wären.

Kurz vor Jahresende hat dann die Firma Durot Electric aus St. Gallen eine Einzelzulassung des U5 gemacht und ein Vorserienmodell in Betrieb gesetzt. Die E-Mobilitäts-Entwicklerfirma Durot Electric in St. Gallen ist Partner im Projekt von Aiways und vor allem mit dem Aiways-Partner Gumpert eng verknüpft, wo man Software entwickelt. Gumpert wiederum ist eng mit Aiways verknüpft und beide Unternehmen wollen Elektromobilität in Europa voran bringen.

Bereits zum Autosalon war es angedacht, dass ich mit dem U5 eine ausgedehnte Runde drehen darf, durch die Corona-Pandemie und Messe-Absage ist dann aber alles anders gekommen. Mit den ersten Lockdown-Lockerungen war es nun soweit, ich durfte endlich im Auto einige Kilometer abspulen und damit die chinesischen Ideen hinter dem Gesamtkonzept kennenlernen.

Update: „Dieses Auto aus China ist erst der zweite Chinese den ich fahren darf, womit ich eine mehrfache Premiere erlebe. Zuvor hatte ich einmal den Maxus EV80 von SAIC fahren dürfen, hatte ich aber sogar vergessen.“

Das Aussendesign ist gefällig und praktisch, einige Details wie die Türen bzw. Schweller sind anders gelöst als europäische Autobauer das machen. Das Konstruktionsprinzip ist mir sofort aufgefallen, die Frage ist aber natürlich, ob sich diese Konstruktion bewährt auf Dauer. Da es aber einen viel kleineren Tür-Schweller hat, kann man bequemer in den SUV einsteigen.

Mit dem U5 bringt das chinesische Start-up Aiways nun einen komfortablen Elektro-SUV auf den Markt, der aber nur über Frontantrieb verfügt. Die Reichweite soll 400 Kilometer überschreiten und der bislang bekannt gewordene Preis soll 40’000 Euro unterschreiten, das ist extrem günstig. Für die Schweiz dürfte man die 40’000 Euro wohl verfehlen, denn gerade günstigere Autos glänzen dann mit Vollausstattung und auch wenn die Zubehörlisten noch nicht bekannt sind, Extras kosten Geld.

Aiways hatte erste Lieferungen in Europa eigentlich auf April angekündigt, damit hat das Unternehmen eine Entwicklungszeit von drei Jahren investiert. Durch den Corona-Virus wurde auch Aiways gebremst und hatte einige Wochen Dicht machen müssen, das hat Lieferungen und Fertigstellung der ersten Fahrzeuge verzögert. Nun soll es im August soweit sein, dass die ersten U5 auf den Strassen in Europa anrollen und wenn es mir gelingt, werde ich einen von diesen SUV erstehen. Denn das Gesamtkonzept beeindruckt mich mehr als es die Konkurrenz aus Europa getan hat. Da gibt es keine Spuren von Verbrenner-Grundlagen, der Aiways U5 wurde für einen Elektroantrieb konzipiert und damit ist das Fahrzeug ein Elektroauto der Sonderklasse. Der Gepäckraum ist geräumig wie kaum ein anderer und die Sitze sind ganz flach umklappbar. Damit kann man aus dem SUV einen Transporter mit 1550 Liter Volumen machen und das ist bereits beeindruckend.

Die Software zur Steuerung ist im Vorserienmodell noch nicht ganz fertig und trotzdem ist der Aiways ein gut abgerundetes Fahrzeug, mit dessen Genen und Werten ich viel anfangen kann. Begrüsst wird man aber mit chinesischen Schriftzeichen und entweder wird Aiways da noch eine Übersetzung hinzu fügen (als Untertitel) oder man wird die Oberfläche neu gestalten.

Die 140 kW/190 PS bedeuten einen anständigen Antritt und die Beschleunigungswerte sind gut. Das Gesamtgewicht liegt bei 1800 kg und damit deutlich unterhalb der Werte von anderen Autos mit Elektroantrieb und 400 km Reichweite. Mit mehreren Fahrmodi ausgestattet kann man mit dem SUV mit mehr oder weniger sportlicher Fahrt unterwegs sein und das Ziel ansteuern. Laut Hersteller ist der Verbrauch zwischen 16.4 und 17.3 kWh angesiedelt und auch dieser Wert ist okay, da kennt man von anderen SUVs ganz andere Werte. Ein Hyundai Kona ist vergleichbar gross und der liegt mit dem Verbrauch eher tiefer. Die Batterie fasst 63 kWh Energie und laut Hersteller kann man mit maximal 90 kW laden, womit man in 30 Minuten den Range von 20 % bis 80 % füllen kann. Die Rekuperation im Aiways U5 ist eher etwas schwach genug, da wünscht man sich einen Hebel, der verschieden starke Rekuperationsstufen anbietet. In der Serie soll es Verstellmöglichkeiten für die Rekuperation geben, in welcher Form ist aber noch unklar. Die Fahrleistungen sind nicht berauschend, das ist bei einem SUV auch nicht zu erwarten. Rund 9.1 Sekunden soll es gehen bis 100 km/h und das wird zwar von einigen als schwach bezeichnet, im Gesamtbild des U5 ist das aber passend, weil man so eben auch die 16 kWh Verbrauch pro hundert Kilometer erzielt.

Das Cockpit verblüfft mit drei Bildschirmen für die wesentlichen Fahrzeuginformationen und Geschwindigkeitsangaben. In der Mitte des Cockpits thront das 12,3-Zoll-Infotainment-Display, über das sich das ganze Auto steuern lässt. Der Ganghebel ist ein Drehknopf wie das auch Jaguar hat, und damit wird einfach die Richtung gesteuert.

Noch vollkommen unklar ist der Auftritt in der Schweiz. In Deutschland gibt es die U5 über die Elektromarkt-Kette von Euronics zu kaufen, in der Schweiz kann man noch keine Reservierungen machen. Wenn Reparaturen fällig sind, kümmern sich die Experten von A.T.U. (rund 570 Filialen in Deutschland) um den U5 von Aiways, die sind in der Schweiz aber kürzlich Konkurs gegangen. Ein Service ist übrigens erst nach 100’000 Kilometern fällig, das ist rekordverdächtig. In der Schweiz hiess es einmal, man könne den U5 über den TCS ordern, aber das war vielleicht nur ein Gerücht, das im Umfeld des E-Gardens entstanden ist. Sicher ist, sobald der Verkauf losgeht wird meine zweite Firma catch-e gerne mitarbeiten, die Aiways unter die Leute zu bringen.

Mein Fazit: Der U5 ist voll alltagstauglich, selbst als Flottenfahrzeug für Taxiunternehmen dürfte der U5 optimal eingesetzt werden können und die Sitzbank hinten bietet enorm viel Platz. Im Detail ist alles durchdacht, auch der vordere Kofferraum, der einzige von mir entdeckte Fehler ist der Schliesser vom vorderen Kofferraum, den muss man von Hand entriegeln. Die Fahrten im U5 sind angenehm in allen Fahrmodi und die Kurvenlage für einen SUV hervorragend. Die Ausstattung überzeugt, das Sitzen ist nicht anders als in anderen Fahrzeugen und mir ist nichts aufgefallen, was mich stört. Ungewohnt ist das fehlende Handschuhfach. Hier findet man nur zwei quadratische Chrom-Aufhängungen, die man nutzen kann um Ablagen einzuhängen. Preis und Leistung verblüffen und wenn Aiways den Preis in der Schweiz bei den ca 45’0000.- Franken halten kann, dürfte es etliche Kunden geben die zuschlagen werden. Auch ich würde mich bei entsprechender Verfügbarkeit begeistert zum Kauf bewegen lassen.

Vorläufige technische Daten Aiways U5:
– Leistung: 140 kW/190 PS
– max. Drehmoment: 315 Nm
– Antrieb: Front
– 0 – 100 km/h: 9,1 s
– Top-Speed: 160 km/h
– Batteriekapazität: 63 kWh
– Reichweite: 400 km
– Ladezeit: 50 min am Schnellader mit 90 kW
– L /B /H: 4,68 / 1,87 / 1,68 m
– Leergewicht 1,750 t
– Kofferraum: 432 – 1543 l
– Normverbrauch: 16,4 kWh / 100 km
– Preis: unter 40’000 Euro / ca. 45’000 CHF

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