Fahrbericht: weder sanft noch leise – Jaguar F-Type Coupé

Der neue F-Type von Jaguar ist ein starkes Stück. Ein starkes Stück Designgeschichte schon lange bevor das Auto zum Oldtimer oder Klassiker wird. Denn die Form des F-Type ist mehr als gelungen, typisch Raubkatze ist der Jaguar elegant und sehr sportlich zugleich. Der neue F-Type ist aber nicht nur schön, er ist auch schnell und sportlich laut – zumindest wenn man ihn lässt.

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Die Emil Frey Garage in St. Gallen hat mir einen F-Type Coupé S zur Verfügung gestellt und damit durfte ich den mittleren der F-Type Versionen eine Zeit lang durchs Land bewegen. Unter ‚mittlere‘ Version versteht Jaguar beim F-Type einen 3.0 Liter V6-Benziner mit einer satten Leistung von 280 KW und 380 PS. Es gibt noch den S/C mit 340 PS und etwas weniger Kompressorleistung. Und es gibt als ‚grossen‘ F-Type die R-Version mit einem V8-Motor samt Compressor, der leistet dann enorme 550 PS. Mir genügte der F-Type S mit 380 PS, der ist schneller als erlaubt, sportlicher als erwartet und ein toller Typ, nach dem sich fast alle umdrehen.

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Eigentlich sind britische Autos ein Understatement, aber beim F-Type gilt das nicht. Der stellt was dar, ist ein Reisegefährte für lange Strecken auf der Autobahn wie auf Landstrassen und bringt auch auf Bergstrassen viel Power auf die Strasse. Dabei ist die Form das attraktive Gefäss, mit dem der F-Type um Aufmerksamkeit buhlt. Schon im Stillstand werden ihm viele Komplimente gemacht und auch mir hat der Wagen von Anfang an sehr gefallen. Dabei hat Jaguar vor dem Coupé das Cabrio lanciert und schon damit setzte man einen neuen Hype. Das Cabrio ist der Hit und vom Coupé darf man getrost behaupten, dass der F-Type damit noch attraktiver wurde. Zumindest in unseren Breitengraden wo Sonnentage langsam rar werden – hier gilt das Coupe wohl fast etwas mehr als das Cabrio.

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Schlussendlich muss man die Schatulle für den Jaguar immer noch recht weit öffnen um einen F-Type zu kaufen, da muss man sich schon gut überlegen ob der geschlossene oder der offene Zweisitzer die bessere Variante ist. Trotz dem Status als sportlicher Jaguar ist der F-Type s/c mit einem Startpreis von 87’000.- Franken günstiger als ich erwartet hätte. Der F-Type S startet bei 102’000.- Franken und der R-Coupe ist ab 134’000.- Franken erhältlich.

Die langgezogene Schnauze der Raubkatze steht für sportlich, sportlich, sportlich und die gedrungene und geduckte Form ist das sprichwörtlich am Start stehende Raubtier, das endlich losrennen will. Ein Knopfdruck und der Motor erwacht und heult sich locker einmal durch alle Zylinder. Den Ganghebel auf D gestellt kann man bereits losfahren und wie immer muss man dabei stark auf die Geschwindigkeit achten, denn den Radarstationen ist es bekanntlich egal ob der schnelle Typ nun im Jaguar F-Type oder im alten Opel Karawan zu schnell unterwegs ist.

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Im F-Type muss man den Tacho ganz besonders gut im Auge behalten, denn der Beschleunigungsvorgang auf 50 aus anderen Fahrzeugen bedeutet beim F-Type die doppelte Geschwindigkeit. Zweimal aufheulen und der Jaguar überschreitet die gängigen Tempolimiten rund um St. Gallen. Da ist Zurückhaltung angesagt und man tut gut daran, sich wirklich auf ein Understatement zu beschränken. Der F-Type macht auch so viel Spass, denn die Kurvenlage, die Beschleunigung und die Gangwechsel erzeugen eine Symbiose mit der man jeden Geschwindigkeitswechsel lieben lernt. Der Sound ist vom Feinsten auch wenn die Soundanlage nur aus 6 Zylindern besteht, denn die Sounddesigner haben eine sehr gute Leistung abgeliefert. Das Klangspektrum reicht von bulligem Blubbern über verschiedene Fauchen-Stufen bis zum brüllenden Stakato und die Nuancen tönen sehr angenehm.

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Extrem gut gelungen ist auch das Achtgang-Automatikgetriebe. Egal ob man via Automatik oder Paddel-Bewegung schaltet, der Schaltvorgang ist klar, wird motorisch mit Zwischengas unterstützt und die folgende Beschleunigung bestens umgesetzt. Die feine und sehr sportliche Abstimmung kann vom Fahrer mitbestimmt werden. Mittels Wipp-Bewegung links vom Ganghebel kann man von Sport- auf Normalmodus und in den All Weather-Modus wechseln.

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Im Normalmodus und auch beim „All Weather“-Programm reduziert sich der Geräuschpegel, die Raubkatze beginnt mehr zu Schnuren und weniger zu brüllen. Mit dem All Weather-Programm könnte der F-Type auch winterliche Fahrverhältnisse meistern, mangels Schnee konnte ich das Programm aber nicht testen. Man merkt aber sofort, dass der F-Type mit Snow- bzw. All Weather-Modus deutlich sanfter wird. Weniger sportlich ist das nicht, aber statt mit Gebrüll wird die Gasannahme sanfter auf die Strasse gebracht.

Die Sitze im F-Type haben mich begeistert, auch wenn die Sitzverstellungshebel in den Seitentüren untergebracht sind, wo die Bedienung zwar übersichtlich aber ungewohnt ist. Die Sitzpositionen und auch das Lenkrad lassen sich enorm vielseitig und voll elektronisch einstellen, so findet jeder die optimale Sitzposition. Die ist wichtig, denn der tiefe Schwerpunkt und die hohe Sportlichkeit sorgen für hohe Kurvengeschwindigkeiten. Jaguar selbst spricht beim F-Type von einem Jäger der auch Porsches und italienische Sportwagen erlegt und das nehme ich einem geübten Fahrer durchaus ab. Mangels Übung und der fehlenden Rennstrecke konnte ich den Grenzbereich nicht ausloten aber der dürfte doch einiges über den Werten liegen die ich dem Auto angetan habe. Man spürt das der Grenzbereich noch ein Stück weiter liegt, als man hierzulande fahren kann.

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Der F-Type macht Spass. Die Bedienung ist sehr handlich, das Auto trotz Sportlichkeit sehr übersichtlich, so macht das Fahren wirklich Freude. Jaguar hat bislang das Coupe meist mit 2 + 2 Sitzen ausgestattet, dabei waren die hinteren Sitze aber eher schlecht nutzbar und deshalb hat man nun zugunsten eines grossen Kofferraumes auf die hinteren Sitze verzichtet. Das ist nicht so schlecht, der Kofferraum mit einem Volumen von 407 Litern sehr gut nutzbar. Im Testwagen war der Kofferraum gar elektrisch zu schliessen, das ist wiederum Luxus pur.

Mein Fazit: Der F-Type Coupé S macht soviel Spass, dass man sich ungern von ihm trennt. Als Liebhaber von schnellen Autos würde ich diese am liebsten immer über mindestens 4 oder 5 Pässe bewegen, das war leider nicht gestattet. Sound, Fahrverhalten und Kurvenlage sind dem Sportwagencharakter entsprechend, ich verzeichne für den Jaguar ein dickes Plus in meiner Testmappe und ziehe meinen Hut vor der schönen und sportlichen Eleganz. Ich würde diese Katze kaufen, könnte ich mir das locker leisten ;-).

Die Garage Emil Frey in St. Gallen: http://www.emilfrey.ch/de/autopark/

Die Fotos des Testwagens: https://plus.google.com/photos/108678166096574454776/albums/6054949255487516881

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