Fahrbericht: Ford Focus RS – Speziell schnell – speziell gut

Wer einen Ford Focus RS kauft, der wird seinen Reifenhändler ganz gut kennen lernen. Denn das Auto ist fahrtechnisch eine Wucht und mit einem Drift-Modus für das Querfahren ausgestattet. Den Driftmodus muss man schon ab und zu drücken um zu sehen was der RS draufhat, deshalb braucht man dann auch deutlich mehr Gummi als mit anderen Sportwagen. Sportwagen? Ja doch! Er ist zwar in der Form und beim Spoilerwerk in der jüngsten Variante etwas braver geworden, sieht fast ein wenig zahm aus, ist aber immer noch der volle Kracher!

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Bislang war der Ford Focus RS vor allem eine Kampfsau, nun hat Ford auch noch Komfort und Stil hinzugefügt. Statt heftigem Spoilerwerk und breiten Radkästen geht es nun dezenter zu und her, die sportlichen Ambitionen lassen sich aber trotzdem nicht verleugnen. Die Rückenschmerzen durch das harte Fahrwerk der Vorgänger sind etwas verblasst, der RS ist ein sportlicher Zukunftsträger geworden, der einiges auf dem Kasten hat.

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Besonders die sportlich gepolten Kunden will Ford mit dem neuen RS begeistern. Deshalb hat der Sportler mehr Technik verbaut und wird nun neu mit Allradantrieb ausgestattet. Mit diesem Allradantrieb krallt sich der RS deutlich intensiver in den Asphalt als der ebenfalls mit 350 PS arbeitende Vorgänger, ist aber dann noch nicht am Ende mit dem Latein. Der Ford Focus RS hat neben dem Driftmodus und dem Normal-Programm ein Schlechtwetter- sowie einen Sport- und einen Race-Modus, die verschiedenen Modi sind eine wahre Freude.

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Kritik bekommt Ford von mir für die Entscheidung, dass es den RS nur mit 6-Gang-Handschaltung gibt. In Zeiten wo die Programmierer das Doppelkupplungsgetriebe viel besser ausführen als jede Handschaltung und in den meisten anderen Autos die Handschaltung verschwindet, ist der Entscheid für mich nicht nachvollziehbar. Es gibt Leute die scheinbar von Hand schneller schalten als die Sportautomatik, das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich gehe da auch den Weg der Formel 1. Wenn die Fahrer in der Königsklasse keine Handschaltung mehr haben, braucht es auch im RS eigentlich keine mehr.

Fein ist es aber, das Getriebe, da bleiben keine Wünsche offen. Die Gänge lassen sich mit hoher Schnelligkeit einlegen, da kann man durchaus sportlich bleiben. Man kann auch gemütlicher unterwegs sein und vom 2. Gang direkt n den 5. Gang schalten, die Elastizität des Autos ist hoch.
Und das ist auch die Entschädigung für das Fehlen der Automatik. Geschalten wird in 6 Gängen und das finde ich vor allem im höheren Geschwindigkeitsbereich nicht so angenehm. Wenn man mit 140 dahin cruist wünscht man sich schon noch einen 7. Oder 8. Gang, das wäre ‚nice to have‘.

FordFocusRS_025Im Innenraum geht es im neuen RS sehr komfortabel zu. Die Sitze bieten einen guten und festen Seitenhalt, ohne dabei stark zu quetschen. Die Lenkung ist sehr gut zu greifen und auch der Schaltknauf ist sportlich gehalten. Die Sitze bieten einen hohen Komfort und sind auch für lange Ausfahrten geeignet. Die Lenkung ist in ihrer Sensibilität verstellbar, je nach Modus kann man sich hier auf direkte oder weniger direkte Lenkung einstellen.

Schon nach jeweils wenigen Metern auf meiner Teststrecke wird mir bewusst, dass die im Focus RS verbauten Programme Normal, Sport, Drift und Track sich jeweils direkt auf das Fahrgeschehen auswirken. Der nur gerade mal 1529 Kilogramm schwere RS lässt sich kaum aus dem Konzept bringen und die Strassenlage ist beeindruckend. Erstmalig im Testbetrieb von Autonews bin ich von einem Auto derart beeindruckt, dass ich dem Konzept wirklich hohes Lob zollen muss. Egal was ich mache, im halbwegs normalen Betrieb ist das Auto nicht von der Strasse zu bringen. Das ESP arbeitet mit Hochdruck wenn man schnell unterwegs ist, das Auto krallt sich dafür aber in den Asphalt wie es noch kein anderes Auto vorher gemacht hat.

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Der Ford Focus RS fliegt in 4.7 Sekunden auf 100 Stundenkilometer, die Beschleunigung hört erst bei 266 km/h auf. Die Endgeschwindigkeit ist dabei nicht so gigantisch aber die wenigsten von uns fahren regelmässig im Bereich von 266 km/h. Was der Focus unten heraus bringt und das vor allem alle Fahrgäste beeindruckt sind, das ist Gigantismus pur.

Fazit:
Der Focus RS ist ein besonderes Auto. Sportlich bis zum geht nicht mehr und sportlicher als die meisten vermuten. Die Gäste an Bord kann man einfach verblüffen und wer dann noch das ESP abstellt, verblüfft sich auch selbst. Ist man geübt, kann man mit dem Auto sehr gute Zeiten heraus fahren. Dabei ist das Auto bis auf die Handschaltung etwas von Feinsten, was ich die letzten Jahre bewegt habe. Wenn man die Gelegenheit bekommt den Renner zu fahren, sollte man keinesfalls Nein sagen. Es lohnt sich.

 

 

Typ Ford Focus RS (2016)
Motor Vierzylinder-Benzinmotor mit Turboaufladung
Hubraum (cm3) 2261
Leistung bei U/min-1 350 PS/257 KW bei 6000
Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1 470 Nm bei 2000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 266 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 4,7 sekunden
Getriebe 6-Gang-Handschaltung
Antrieb Permanenter Allradantrieb
Treibstoffsorte Super
Verbrauch EU-Drittelmix 7,7  l/100 km
Preis CHF 49‘300.-

 


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