Fahrbericht: VW Touareg im Test – Übereifrige Helfer mit Luxusanspruch

Der VW Touareg ist für mich bislang eine unbekannte Grösse gewesen, obwohl das Modell von VW seit vielen Jahren im Angebot ist. Er war aber immer ein Stück zu weit weg oder zu wenig interessant, um wirklich in den Reigen der Testwagen aufgenommen zu werden, das hat sich nun aber geändert.
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Denn heute ist der neue VW Touareg in der Moderne angekommen, bietet autonomes Fahren vom Feinsten und einen Luxus, den man bei VW bislang so nur aus dem Phaeton kannte. Ausgestattet mit einem laufruhigen und behäbigen Dieselmotor ist der Touareg von VW die Oberklasse, mit der man sich in jedem Hotel vor dem Haupteingang einfinden kann um zu brillieren.
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Extrem gespannt war ich darauf, wie sich der VW Touareg am Berg verhält, wie er autonom fahren kann und welche Assistenten sich die Ingenieure von VW einfallen liessen, um das Leben auf der Strasse zu erleichtern. Das gleich vorweg, ich bin begeistert und entrüstet, was der Touareg alles kann und wie er sich verhält, er ist auf jeden Fall für Überraschungen gut.

Der Luxus an Bord ist vom Feinsten, die Sitze und das Sitzgefühl auf langes Reisen ausgelegt und die Sitzheizung und generelle Ausstattung lässt einen ganz entspannt von A nach B reisen. Auch stundenlanges Fahren ist im Touareg keine Kunst, egal ob man das gewohnt ist oder nicht. Bei meiner Recherche zu den Vorgängerversionen des Touareg fand ich Hinweise darauf, wie diese früher ausgestattet waren und das der erste Touareg vor 20 Jahren auf den Markt gelangte. Damals wurde der SUV noch mit Geländereduktions-Getriebe und einem zuschaltbaren Hinterachs-Differential auf dem Markt angeboten und wer wirklich ins Gelände fuhr, konnte den Touareg auch höher legen.
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Der heute verfügbare Touareg hat diese mechanischen Komponenten nicht mehr an Bord, der Allradantrieb und die Geländeübersetzung passieren automatisch und der Verzicht auf eine mechanische Offroadhilfe tut dem Fahrzeug gut, denn wirklich für das Gelände ist das Auto nicht gebaut. VW betont auch, dass die Nachfrage nach robuster Mechanik und Offroad-Fähigkeiten nicht vorhanden ist, deshalb gibt es den neuen Touareg nur mehr als Handzahme Variante. Natürlich kann man damit ins Gelände, der Touareg wird den Fahrer überall hin fahren wo andere Autos auch hinkommen. Die urchigen Funktionen für den Jäger gibt es aber nicht mehr, künftig geht der Touareg nur mehr bis zum Parkplatz und nicht mehr bis zum Berggipfel.
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Im Gelände und auf rauer Piste hat der Tuareg einen serienmässigen Allrad-Antrieb mit selbstsperrendem Mitteldifferential, dieses Differential kann die Antriebskraft variabel im Verhältnis 20:80 bis 70:30 zwischen Vorder- und Hinterachse verteilen. Wer wirklich ins Gelände geht kann gegen Aufpreis ein höhenverstellbares Luftfederfahrwerk mit Allradlenkung sowie das Offroad-Paket mit Unterfahrschutz und grösseren Tanks ordern, da kann man den Sahara-Urlaub im klimatisierten Touareg angehen.
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Weil der Touareg viel Luxus an Bord hat, bleibt die Beschleunigung etwas hinter den Erwartungen zurück. Selbst im Sportmodus wo der Wagen zwar deutlich an Lärm zulegt ist nicht viel mehr Power vorhanden, viel Energie geht durch das grosse Grundgewicht verloren. 286 PS stehen zur Verfügung, gerade beim Antritt vermisst man aber mindestens die Hälfte davon schmerzlich, denn das Gaspedal drücken führt erst mal zu gar nichts. Natürlich muss ein Dieselmotor mit Turboantrieb erst einmal verdichten um dann wirklich Beschleunigung zu entwickeln aber hier fehlt es dem Touareg deutlich an Antrittskraft. An einer Kreuzung schnell wegfahren ist nicht, der Touareg macht da einfach nicht mit. Ist er einmal auf 20 km/h geht es deutlich rassiger, aber das Anfahren ist keine Disziplin für den grossen Ober-SUV von VW. Das ist einigermassen verständlich aber doch auch etwas, was ab und zu stören wird.
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Sieht man von den Anfahrtsschwierigkeiten ab hat der Touareg einen guten Durchzug und ein lineares Beschleunigungsverhalten, die Kraft wird gut verteilt und eingesetzt um die vom Gaspedal gegebenen Befehle umzusetzen. Wie alle anderen Diesel-VW hat der Touareg gute Segeleigenschaften und man kann damit extrem gut den Fuss früh vom Gas nehmen und das Auto auf eine Kurve oder Kreuzung zurollen lassen.
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Das Kurvenverhalten ist beim SUV immer wieder ein Thema, hier neigt der Touareg zu geringer Seitenneigung und hat mit seinem Fahrwerk gegenüber anderen SUVs deutliche Stärken. Auch schnelle Lastwechsel nimmt der Touareg mit Wonne mit, ein Kurvenräuber ist er aber nicht. Dazu ist zu viel Gewicht und zu viel Luxus an Bord, wobei die Kurvengeschwindigkeiten recht hoch liegen wenn man die mit den Mitbewerbern vergleicht.
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Autonomes Fahren kann der Touareg auch, sogar recht gut und er lenkt den ganzen Tag mit und sucht sich seine eigene Spur. Das ist zum Teil angenehm, zum Teil überraschend und zu einem Teil auch dumm, dann nämlich wenn der Tuareg andere Entscheidungen fällt als der Fahrer. Der Spurhalteassistent schafft es gut auf der Landstrasse und auf der Autobahn die Spur zu halten, da gibt es nichts zu bemängeln. Der Geschwindigkeits-Assistent liest die Verkehrsschilder und will dann die Vorschrift genau einhalten, da blinkt es durchaus einmal rot auf wenn der Fahrer findet, man kann schneller fahren als erlaubt.

Überraschenderweise liest der Touareg auch Verkehrsschilder die er nicht lesen sollte, unter anderem einmal auf der Autobahn ein Schild mit 80 km/h auf dem Lastwagen den ich überholt habe. Weil ich kurz vor einer hunderter-Zone vom Gas ging um die 100 km/h anzupeilen hat der Touareg dann das Schild auf dem Lastwagen als wichtiger erachtet und mitten im Verkehr abgebremst und alles rot leuchten lassen. Zuerst hatte ich das Gefühl ist gut, wenn der Wagen mitdenkt und die Geschwindigkeit selbst lesen geht. Als er dann aber auf 80 km/h herunter bremst weil das auf dem Lastwagen aufgeklebt ist, wurde mir Angst und Bang. Diese Funktionen und diesen Übereifer muss man natürlich erst einmal verstehen bis man weiss, was der Wagen dann wann macht. Für mich waren diese Funktionen im ersten Moment undurchschaubar.

Mein Fazit:
Der Touareg ist ein gutes Fahrzeug für gut situierte, mit 85’000.- Franken Grundpreis und beim Testfahrzeug mit 104’000.- Franken Kaufpreis ist er nicht billig, kann aber extrem viel und viel mehr als man erwarten würde. VW hat hier

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