Fahrbericht – VW E-Crafter zeigt sich als Praktiker

Im Rahmen eines Vergleichstests der drei Transporter VW E-Crafter, SAIC Maxus EV80 und Renault Master Z.E. habe ich alle drei Transporter auch ausgiebig fahren dürfen und dabei meiner wertvollen Erfahrungen mit der wichtiger werdenden Welt der Transporter erweitert.

Im Rahmen des Vergleichstestes ist der E-Crafter schon ganz gut bewertet worden und auch in der Einzelwertung verstehe ich nicht ganz, dass es nicht bei allen Transporter-Unternehmen hunderte von E-Craftern im Einsatz hat.
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Natürlich hat der elektrische E-Crafter signifikante Nachteile gegenüber seinem direkten Konkurrenten mit Dieselmotor. Da ist nicht nur die Zuladung zu nennen sondern auch der Preis. Auf der anderen Seite kann man das nicht wirklich so anschauen denn der E-Crafter ist als Plattform in die Zukunft orientiert und der Diesel-Crafter etwas für ewig-Gestrige. Natürlich steht sich VW in diesem Bereich aber auch selbst im Weg, denn der normale Crafter ist bereits für magere 27’570.- Franken zu haben wenn man die Prämien bekommt, der E-Crafter startet da bei satten 89’000.- Franken. So kann das natürlich nichts werden mit der Elektromobilität und VW weiss das auch. Die Post Schweiz hat sich nun trotzdem 11 solche E-Transporter angeschafft, allerdings jene von MAN die baugleich sind mit dem E-Crafter und wohl preislich noch etwas unter dem VW eingereiht sind. VW Schweiz hat noch nicht viele E-Crafter abgesetzt, der hohe Preis verhindert eine hohe Nachfrage. Das ist auch systembedingt so eingerichtet, denn würden die Kunden mehr E-Crafter bestellen wollen, hätte VW einige Mühe die Lieferzeiten klein zu halten. VW Hannover hat bei der Präsentation der E-Crafter nur eine vierstellige Zahl von E-Ausführungen versprochen und diese Zahl ist wohl auch schon weitgehend ausgeschöpft für 2019.
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Der E-Crafter ist ein VW, das will er nicht verleugnen. Einzige signifikante Neuerung die mir unangenehm aufgefallen ist: der e-Crafter fährt keinen Zentimeter weit wenn der Gurt nicht angelegt ist. Da kann man machen was man will, ohne Gurt ist keine Fahrt möglich.

Der Transporter ist elektrisch für rund 170 Kilometer gut, vollgeladen kommt er laut VW immer noch 160 km weit, allerdings muss man dann schon ein Vollprofi sein und wissen, wie man sparsam fährt. Als Transportdienst die letzte Meile emissionsfrei zu betreiben und Lieferdienste mit dem E-Crafter in die Innenstadt-Zonen zu schicken ist aber genau die Kernaufgabe, die nicht so viele Kilometer Weg erfordert, so kommt der E-Crafter bestens zum Ziel.

In der Region Toggenburg und auf dem Weg vom VW-Lager in Lupfig in die Ostschweiz zeigte sich der E-Crafter als verlässlicher Partner der wirklich alles bestens auf die Reihe bekommt. Auf den Schweizer Autobahnen kann man den E-Crafter gut bewegen, allerdings kommt er dann schon recht bald auf das Geschwindigkeitslimit von 90 km/h, mit dem VW verhindert, dass Lieferanten den Wagen innert wenigen Minuten leer fahren. Gewicht und Aussenform verhindern bekanntlich bei den Transportern die hohe Endgeschwindigkeit, VW hat beim E-Crafter zudem ein Limit eingebaut um die Reichweite zu steigern.
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Entwickelt wurde der e-Crafter für alle Unternehmen, die im innerstädtischen Bereich aktiv sind. Die Toggenburger Hügellandschaft ist aber bestens zu meistern, solange man nicht gerade versucht die engen Spitzkehren mit hoher Geschwindigkeit zu nehmen. Denn Transporter sind nun keine Kurvenkönige, da limitiert sich das System dann schnell herunter.

Wenn E-Transporter oft anfahren und anhalten, dann sind die am richtigen Einsatzort. Beim Anhalten mit der Batteriebremse und der entsprechenden Rekuperation ist der E-Crafter in der Lage sehr viel Energie zurück zu gewinnen. Das spart Bremsen und spart vor allem Energie die man beim Anfahren wieder nutzt. Auch in der Stadt braucht man keine grossen Reichweiten, dafür muss der Lieferwagen aber ständig von Ampel zu Ampel und von Halt zu Halt preschen. Etwas wo der Elektromotor viel besser geeignet ist als der Diesel und vor allem Vorteile hat bei den Emissionen.

Laut Volkswagen Nutzfahrzeuge hat man im Vorfeld der e-Crafter-Entwicklung von mehr als 1.500 Kunden über 210.000 Fahrprofile ausgewertet. Die meisten legen wohl etwa 70 bis 100 Km pro Tag zurück, deshalb ist der E-Crafter genau auf diesen Kundenkreis entwickelt worden.
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Netto wird der neue e-Crafter zu Preisen ab 69’500 Euro in Deutschland und 83’000 Franken in der Schweiz angeboten, das ist viel Geld im Vergleich zum Diesel-Crafter. Man darf aber nicht vergessen was die Dieselversionen dann pro Kilometer an Dieselkraftstoff verbrauchen, da kommt der E-Crafter günstiger, egal ob man den Strom selbst produziert oder nicht.

Der e-Crafter wurde parallel zu den Modellen mit emissionsoptimierten Euro-6-Dieselmotoren (TDI) entwickelt, hat VW verlauten lassen. Der E-Crafter ist damit von Anfang an mitgeplant worden und das merkt man dem Crafter auch an. Die Fortbewegung ist sehr harmonisch und extrem dynamisch und wer direkt vergleicht, wird beim Verbrenner-Kollegen keine Vorteile vorfinden.

Beim E-Crafter wird die Lithium-Ionen-Batterie platzsparend im Unterboden untergebracht. Dadurch kann das volle Ladevolumen des 2.590 mm hohen Hochdach-Kastenwagens genutzt werden. Insgesamt lädt der Transporter 10,7 m3. Die maximale Zuladung beträgt je nach Ausführung zwischen 0,975 und 1,72 Tonnen.

Vorn im e-Crafter ist der Elektromotor integriert – eine Synchronmaschine des Typs EEM85. Der Motor stellt 100 kW als Peakleistung zur Verfügung. Das maximale Drehmoment beträgt 290 Nm. Übertragen wird die Kraft über ein für Nutzfahrzeuge ausgelegtes 1-Gang-Automatikgetriebe (EQ 290) an die Vorderachse. Motor, Getriebe und Differenzial bilden ein kompaktes Modul. Hergestellt wird diese Einheit im Komponentenwerk Kassel.
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An einer CCS-Ladestation mit 40 kW (Gleichstrom) ist die Batterie (Energiegehalt 35,8 kWh) nach nur 45 Minuten wieder zu 80 Prozent geladen. CCS ist die Abkürzung für das international standardisierte Combined Charging System – das Laden mit Gleichstrom, das im e-Crafter serienmässig angeboten wird. Wird eine AC-Wallbox mit 7,2 kW (Wechselstrom) genutzt, ist der Akku binnen 5.5 Stunden wieder zu 100 Prozent mit Energie versorgt; das geschieht in der Regel über Nacht.

Der E-Crafter fährt sich gut, könnte aber für die First-Movers wie die heutigen Kunden heissen, durchaus noch etwas mehr auf Rekuperation gehen. Ein Wahlhebel mit zwei bis 5 Stufen wäre gut, dann kann ein intelligenter Fahrer damit viel Energie sparen. Der Strom-Verbrauch von 21 kWh pro 100 Kilometer als Werksangabe ist zwar hoch, die meisten E-Profis werden diesen Wert aber wirklich erzielen weil VW konservativ gerechnet hat.

Im Rahmen des Vergleichstests wurde der E-Crafter auch positiv gewertet, man dürfte diesen ruhig öfter auf unseren Strasse sehen.

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